Alles Gute ist Bio

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Habra
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Re: Alles Gute ist Bio

Beitragvon Habra » Mi 22. Jun 2016, 21:00

Leider muss ich hier den Lebensmittelverarbeitern und dem Handel eine riesengroße Mitschuld an diesen Mißständen geben. Wie wird denn in der Regel eingekauft? Wer eine Ware zum günstigsten Preis anbietet, erhält den Zuschlag. Zwar muß der die Zertifikate liefern, Papier ist aber geduldig. Es fragt keiner, ob dieser niedrige Preis für eine Ware bestimmter Qualität wirklich möglich ist.

So geschah es beim Pferdefleischskandal (der Einkäufer blickt nur auf den Preis, qualifizierte Köche, Metzger oder Lebensmittelchemiker in der Wareneingangskontrolle sind ja viel zu teuer), so geschieht es beim Handel mit Olivenöl (wo bleibt eigentlich das ganze lösemittelextrahierte Olivenöl minderer Qualität, schätzungsweise 30% der Produktion?) und es geschieht genauso beim Handel mit Produkten mit geschützter Ursprungsbezeichnung (gibt es eigentlich soviele Schweine in der Gegend um Parma zur Produktion dieser Menge an Parmaschinken?).

Würde der Handel (sprich Einkäufer) bzw. der gewerbliche Verarbeiter mit in die Verantwortung genommen, d.h. der trägt erstmal die Kosten für die ganzen Rückrufe (es muss ja nicht schädlich sein, eine Falschdeklaration genügt m.E. als Grund durchaus) und der kann dann auf den Lieferanten zurückgreifen, wären vielleicht etwas mehr interne Qualitätskontrollen an der Tagesordnung.

Und die Behörden sind meist mangels qualifizierten Kontrolleuren untätig oder lassen sich auf für die Betroffenen kostengünstige Maßnahmen ein. Wer denkt noch an den Skandal mit dem Sonnenblumenöl, das bis 1500 ppm (0,15%) Mineralöl enthielt? Bei der Menge von (soweit ich mich erinnern kann) 40000 Tonnen waren das ca. 60 t Mineralöl (Kosten € 100,00/t gegenüber 1000,00/t) d.h. irgendjemand wollte am Verkauf zusätzliche 50000 € verdienen. Statt einer Beschlagnahme und Weitergabe z.B. an französische Fischer als Motorentreibstoff durfte das Öl gereinigt bzw. verdünnt werden bis die Grenzwerte eingehalten waren. Bei drohenden drastischen Maßnahmen wie Beschlagnahme o.ä. passen selbst Einkäufer besser auf.

Aber das sind leider nur Wunschträume von jemandem, der ständig mit Einkäufern (in der gegenteiligen Branche) zu tun hat.

Gästin

Re: Alles Gute ist Bio

Beitragvon Gästin » Mi 22. Jun 2016, 22:25

Zu Olivenöl fällt mir der Pollmer hier ein.

http://www.deutschlandradiokultur.de/it ... _id=154601

Klingt wie die Spitze des Eisbergs :/

Was bleibt einem übrig als zu kaufen und zu bedenken, das es so schlimm nicht sein kann. Stirbt ja kaum jemand an der Nahrung heute oder wird davon krank. Insofern passt scho.

Ich persönlich kaufe auch aus solchen Gründen am liebsten in Supermärkten mit Eigenmarken. Wenn einer sich leistet Wareneingänge zu checken dann solche Unternehmensgruppen, die einen Skandal aus Eigeninteresse vermeiden wollen. Kleinbetriebe können das nicht leisten.

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Zaunkönigleberpastete
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Re: Alles Gute ist Bio

Beitragvon Zaunkönigleberpastete » Mi 22. Jun 2016, 23:13

Gästin hat geschrieben:Das heißt aber noch lange nicht, das in Bereichen, in denen Bio produziert wird automatisch betrogen wird.

Oh doch. Bio-Label SIND Betrug. Alle. An der eigenen Ideologie Sache. Am Bio-affinen Verbraucher. Und auch an den Verbrauchern, die Bio ablehnend gegenüberstehen und ganz bewusst KEIN Bio haben wollen.

Warum darf bei Bio Mist (z.T. auch Gülle) aus konventioneller Tierhaltung eingesetzt werden? (Weil Bio nicht über genügend Dünger verfügt)

Warum darf dem Bio-Futter für Schweine und Geflügel 5% konventionelles Futter beigemischt werden? (Weil Bio nicht über genügend hochwertige Eiweißfuttermittel verfügt)

Warum darf im Bio-Landbau giftiges Kupfer ausgebracht werden, das sich im Boden anreichert? (Weil Bio für viele Kulturen über keine praktikable Alternative zur Bekämfung von Pilzkrankheiten verfügt)

Warum verlieren Bio-Tiere, die wegen Krankheit (sinnvollerweise) mit Antibiotika behandelt wurden, den Bio-Status und dürfen ausschließlich als konventionelle Ware vermarktet werden? (Weil man den Bio-Kunden nicht mit der Unvermeidbarkeit des eigenen unzulänglichen Systems konfrontieren will)


Das einzige Bio-Label, das halbwegs konsequent ist, ist Demeter. Deshalb ist dort Tierhaltung auch verpflichtend (schönen Gruß an die nicht mitlesenden Veggies :grin: ). Dafür beten die Demeters den Steiner an und vergraben Kuhhörner voll Mist auf dem Feld, um damit kosmische Strahlen einzufangen. Irgendwie finde ich das auch nicht besser.
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Grotifant

Re: Alles Gute ist Bio

Beitragvon Grotifant » Mi 22. Jun 2016, 23:25

Ganz nette Reportage von arte zu dem Thema: https://www.youtube.com/watch?v=_LUyRVhTt9c

Bei arte bin ich immer a weng vorsichtig, aber aus dieser Reportage können schon einige Erkenntnisse gewonnen werden. Besonders interessant fand ich den Komplex "Bio-Zertifizierung asiatischer Produkte". Im o.g. Link von 0:33:00-0:45:00 und 0:47:00-0:58:00. Wie ein Produkt, das von weit her eingeflogen wird, überhaupt "bio" sein kann, wird dabei leider nicht beleuchtet. Der Flugshrimpflieger fliegt selten mit Bio-Sprit, oder? Der Rest des Films ist aber auch sehenswert, auch wenn einiges fragwürdig ist.

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Zaunkönigleberpastete
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Re: Alles Gute ist Bio

Beitragvon Zaunkönigleberpastete » Mi 22. Jun 2016, 23:28

Rheinland-Pfalz ist übrigens gerade dabei, ganz vorsätzlich zu betrügen:

http://www.swr.de/landesschau-aktuell/r ... 2/1nfeys9/
Die Landesregierung hat die EU-Kommission aufgefordert, ein im Öko-Weinbau verbotenes Pflanzenschutzmittel wieder zuzulassen. Grund ist der drohende Totalverlust der Ernte durch die feuchte Witterung.

Sowohl das FDP-geführte Landwirtschaftsministerium als auch das grüne Umweltministerium sind sich einig: Es gibt nur ein wirksames Mittel, das die Traubenernte noch retten kann - Kaliumphosphonat.

Laut Umweltministerin Ulrike Höfken (Grüne) ist das Mittel gegen den falschen Mehltau unbedenklich. Trotzdem hat es die EU vor drei Jahren für den Öko-Weinbau verboten.


Mit Kaliumphosphonat behandelte Weinreben verlieren für das laufende Jahr den Bio-Status. Der Wein wird folglich als konventionelle Ware auf den Markt kommen.

Ich möchte aber keinen verpilzten Wein untergeschoben bekommen, der vom Reben stammt, die aus ideologischen Gründen erst viel zu spät behandelt wurden. Sollen den doch die Bio-Fans trinken.
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hubers ne

Re: Alles Gute ist Bio

Beitragvon hubers ne » Mi 22. Jun 2016, 23:50

Habra hat geschrieben:Leider muss ich hier den Lebensmittelverarbeitern und dem Handel eine riesengroße Mitschuld an diesen Mißständen geben. Wie wird denn in der Regel eingekauft? Wer eine Ware zum günstigsten Preis anbietet, erhält den Zuschlag. Zwar muß der die Zertifikate liefern, Papier ist aber geduldig. Es fragt keiner, ob dieser niedrige Preis für eine Ware bestimmter Qualität wirklich möglich ist. ...

Oh doch das wird schon gefragt. Doch es interessiert nicht.
Warum?
Weil niemand haftbar ist.
Der Einkäufer nicht (hat ja auf Zertifikate vertraut).
Die Zertifizierungsstelle nicht (bekommt Geld für was?)
Das Handelsunternehmen als Verkäufer nicht weil das sind Unternehmen die schnell liquidiert werden können.
Wenn jedoch der Einkäufer (Sprich Unternehmen wie z.B. Aldi) + die Zertifizierungsstelle voll haftbar wären dann würde es ganz anders ausschauen.
Aber das hätte dann ja wieder etwas mit Verantwortung zu tun.
Das widerspricht halt dem derzeitigen Trend ...

hubers ne

Re: Alles Gute ist Bio

Beitragvon hubers ne » Do 23. Jun 2016, 00:08

Gästin hat geschrieben:... Sicher wird viel Betrogen und ist Bio an sich der größere Betrug, aber trotzdem bin ich sicher das die Labels und Abläufe durchaus eingehalten werden. Auch US BIo wird seine eigenen staatlichen Mindestbiostandarts haben wie die EU und diese kann man schon einhalten und muss das auch.

Ja wenn ich so lese wer alles aus z.B. Rumänien so Bioware bezieht und wenn man dann die angeblichen Mengen mal so grob überschlägt dann passt irgendetwas nicht.
Entweder die Rumänen geben einfach nicht ihre komplette Biofläche an (was unlogisch erscheint denn nur falls es EU-Bio Status hat können auch andere Verbände dies verwenden denn das sind die Mindestanforderungen.)
Oder die Rumänen haben einen Weg gefunden wie sie auf ihren Bioflächen einen deutlichen Mehrertrag im Vergleich zu konventionellen Betrieben generieren können. Und damit meine ich nicht die vielen kleinstbauern in Rumänien sondern dort gibt es auch wirkliche Profis in entsprechenden Größenordnungen und selbst deren Erntemengen pro ha werden übertroffen.
Für die Ukraine gilt das gleiche.
Tests sind nicht so teuer.
Oh doch. Vorallem wenn man nicht weis was man suchen soll.
Den Aminosäuren kann nicht nachgewiesen werden woher der Stickstoff kommt.
PSM - tja da gibt es auch andere Wege. Man könnte z.B. Mittel verwenden die keine Zulassung in der EU haben - dann wird danach nicht gesucht ...
Aber am wahrscheinlichsten ist einfach das umlabeln. Denn es werden keine Tests durchgeführt weil das keine Biorichtlinie vorsieht und alle aber wirklich alle Bioverbände (auch Demeter) kämpfen derzeit mit allen Methoden dagegen an, denn die Biorichtlinien in der EU sollen dahingehend geändert werden das Bio nicht nur eine Papierdokumentation des Prozesses ist.
Jetzt darfst du dich fragen warum dagegen mit allen Mitteln dagegen vorgegangen wird ...
Es sei denn keiner hätte Interesse etwas zu wissen, dann könnten sie aber gleich US Ware verwenden und ein Phantasielabel nutzen.
Ach kann so viel auf dem Weg über den Atlantik passieren ...

Insofern, denke schon das das erstmal koscher läuft, so wie das Siegel es vorgibt. Es geht m. E. nicht um Länder mit weniger Kontrolle, sondern um Länder in denen Arbeitskraft billig ist und insgesamt der Anbau und das Land nix kost, weil nur so Bio möglich ist.
Dann hätte die USA kein Problem. Ein paar illegale - die sind auch extrem günstig.

Warscheinlich will man auch GMO frei kaufen, das geht dann halt nur noch dort, wo GMO nicht zugelassen ist / nicht angebaut wird. (..btw was machen die eigentlich wenn GMO breitflächig umgesetzt ist ? :grin: )

Ich halte den Rundschauartikel für einen schlecht recherchierten Artikel und bezweifle diese Aussagen.

hubers ne

Re: Alles Gute ist Bio

Beitragvon hubers ne » Do 23. Jun 2016, 00:13

Zaunkönigleberpastete hat geschrieben: Rheinland-Pfalz ist übrigens gerade dabei, ganz vorsätzlich zu betrügen:

Kaliumphosphonat war bis vor drei Jahren im Biolandbau als PSM erlaubt. Dann wurde es mit der letzten Bioreform verbannt.
Gründe gibt es einige (trockenere Länder profitieren davon weil weniger Pilzerkrankungen).
Taja und dieses Jahr schlägt halt der falsche Mehltau so richtig heftig zu ...

Aber das interessante ist das es ein Phosphonat ist und wer die chemische Struktur dieses Moleküls kennt und dieses mit so einigen heftig kritisierten Phosphonaten vergleicht der erkennt einen weiteren Grund.
Ist halt schon doof wenn man so mit Dreck werfen beschäftigt ist ....

Gästin

Re: Alles Gute ist Bio

Beitragvon Gästin » Do 23. Jun 2016, 08:55

hubers ne hat geschrieben:
Habra hat geschrieben:Leider muss ich hier den Lebensmittelverarbeitern und dem Handel eine riesengroße Mitschuld an diesen Mißständen geben. Wie wird denn in der Regel eingekauft? Wer eine Ware zum günstigsten Preis anbietet, erhält den Zuschlag. Zwar muß der die Zertifikate liefern, Papier ist aber geduldig. Es fragt keiner, ob dieser niedrige Preis für eine Ware bestimmter Qualität wirklich möglich ist. ...

Oh doch das wird schon gefragt. Doch es interessiert nicht.
Warum?
Weil niemand haftbar ist.
Der Einkäufer nicht (hat ja auf Zertifikate vertraut).
Die Zertifizierungsstelle nicht (bekommt Geld für was?)
Das Handelsunternehmen als Verkäufer nicht weil das sind Unternehmen die schnell liquidiert werden können.
Wenn jedoch der Einkäufer (Sprich Unternehmen wie z.B. Aldi) + die Zertifizierungsstelle voll haftbar wären dann würde es ganz anders ausschauen.
Aber das hätte dann ja wieder etwas mit Verantwortung zu tun.
Das widerspricht halt dem derzeitigen Trend ...




Wie soll eine Zertifizierungsstelle das denn dann leisten?

Irgendwo gibt man einen Rahmen vor, wer den einhalten will, der meldet sich. Dann gibts Prüfung, dann ein zwei mal im Jahr Überprüfung von Hof und Ware. Wie soll eine Zertifizierungsstelle 365 Tage im Jahr aufpassen, das der Landwirt keinen Betrug UND keinen Fehler macht? Irgendwo muss man auch Vertrauen in die Produktionskette bringen. Sonst hat alles keinen Sinn und man kann sich besonders als Kunde vorsorglich die Kugel geben. Auch der Staat macht "nur" Stichproben in allen Bereichen der Lebensmittelüberwachung.
__

Ganz real gedacht: Es werden schätzungsweise täglich in Deutschland 200-300 millionen Mahlzeiten gegessen, pro Jahr sind das äh viele Milliarden, viele viele Nullen. die Allerwenigsten machen davon offenbar krank, sonst wären die Krankenhäuser voll.

Insofern ist gefährlicher Betrug sehr selten und wenn man die grünen / foodwatsch / eso HYPE-Lebensmittelskandale mit echten Skandalen vergleicht, da bleibt nicht soviel Substanz für echte Sorge. Höchstens Ärger über Labelbeschiss - wozu ich das Greenlabeling und Umdeklarationen zähle. Ich würd sagen: Selbst schuld wer teuer kauft aber gute Lebensmittel nicht am Geschmackerlebniss erkennt. Es ist eben nicht jeder mit Geld in der Tasche ein echter Slowfood-Gourmet - das ist halt der Konsumtrick, wenn Leute ohne guten Geschmack meinen sich zum Gourmet kaufen zu können :D

hubers ne

Re: Alles Gute ist Bio

Beitragvon hubers ne » Do 23. Jun 2016, 11:25

Gästin hat geschrieben:Wie soll eine Zertifizierungsstelle das denn dann leisten?

In dem die Zertifizierungsstelle arbeiten?
Im Schnitt kostet die Bio-Zertifizierung pro Jahr und Hektar 100 Euro.
Dafür kann man schon etwas mehr verlangen als diese lächerliche Arbeit die diese Stellen machen. Als Bio-Kontrolleur verdient man im Schnitt über die Jahre deutlich mehr als die kontrollierten Biobetriebe und das ohne jegliches wirtschaftliches Risiko. Das ist Realität.
Irgendwo gibt man einen Rahmen vor, wer den einhalten will, der meldet sich. Dann gibts Prüfung, dann ein zwei mal im Jahr Überprüfung von Hof und Ware.

Von Hof ja, die Ware wird nicht automatisch überprüft ...
Wie soll eine Zertifizierungsstelle 365 Tage im Jahr aufpassen, das der Landwirt keinen Betrug UND keinen Fehler macht? Irgendwo muss man auch Vertrauen in die Produktionskette bringen. Sonst hat alles keinen Sinn und man kann sich besonders als Kunde vorsorglich die Kugel geben. Auch der Staat macht "nur" Stichproben in allen Bereichen der Lebensmittelüberwachung.

Für die Preise kann man etwas mehr erwarten.

Ganz real gedacht: Es werden schätzungsweise täglich in Deutschland 200-300 millionen Mahlzeiten gegessen, pro Jahr sind das äh viele Milliarden, viele viele Nullen. die Allerwenigsten machen davon offenbar krank, sonst wären die Krankenhäuser voll.

Wer Regel für willkürlich festgelegte Kriterien erstellt der muss diese auch nachvollziehbar durchsetzen.
Wenn die Menge der exportierten Bio-Produkte eines Landes nicht zur Anbaufläche passen der sollte doch überlegen woran der Fehler liegt ...
Insofern ist gefährlicher Betrug sehr selten und wenn man die grünen / foodwatsch / eso HYPE-Lebensmittelskandale mit echten Skandalen vergleicht, da bleibt nicht soviel Substanz für echte Sorge.
Gefährlicher Betrug hat aber nichts mit Bio zu tun (wobei letzteres werte ich fast als gefährlichen Betrung)

Höchstens Ärger über Labelbeschiss - wozu ich das Greenlabeling und Umdeklarationen zähle. Ich würd sagen: Selbst schuld wer teuer kauft aber gute Lebensmittel nicht am Geschmackerlebniss erkennt. Es ist eben nicht jeder mit Geld in der Tasche ein echter Slowfood-Gourmet - das ist halt der Konsumtrick, wenn Leute ohne guten Geschmack meinen sich zum Gourmet kaufen zu können :D

Selbst die, die meinen sie hätten so einen dollen Geschmack sind extrem leicht in die Irre zu führen.
Denn zum Geschmack zählt nicht nur das Produkt sondern auch das ganze Umfeld.
Gleiches Produkt (z.B. Kartoffelsuppe mit Speck) vom gleichen Koch im gleichen Topf hergestellt würde unterschiedlich bewertet wenn diese einmal in einem schönen Restaurant mit dollem Geschirr etc. verkostet werden würde oder in einer "Bahnhofskneipe".
Deshalb ist für den Geschmack nicht nur das Produkt von Bedeutung sondern auch das Umfeld.
Man könnte jetzt meinen dann sind die Kontrollen auch nicht so wichtig (was ja Realität ist) aber dann brauche ich auch keine Zertifizierungsstellen sondern übertrage jedem Glied in der Verwertungsstelle wieder etwas mehr Verantwortung ...

Gästin

Re: Alles Gute ist Bio

Beitragvon Gästin » Do 23. Jun 2016, 14:04

hubers ne hat geschrieben:
Gästin hat geschrieben:
Gleiches Produkt (z.B. Kartoffelsuppe mit Speck) vom gleichen Koch im gleichen Topf hergestellt würde unterschiedlich bewertet wenn diese einmal in einem schönen Restaurant mit dollem Geschirr etc. verkostet werden würde oder in einer "Bahnhofskneipe".
Deshalb ist für den Geschmack nicht nur das Produkt von Bedeutung sondern auch das Umfeld.
Man könnte jetzt meinen dann sind die Kontrollen auch nicht so wichtig (was ja Realität ist) aber dann brauche ich auch keine Zertifizierungsstellen sondern übertrage jedem Glied in der Verwertungsstelle wieder etwas mehr Verantwortung ...


Jau. Da gibts ja anschauliche Studien, die das zeigen. Glaub in Penn und Teller Bullshit! Organic Food oder ner BBC Doku wurd das mal sehr plastisch vorgeführt. Letztlich gibts Studien und Tests die das Belegen, worauf sich bezogen wurde.

Es gibt schon nachvollziehbare Unterschiede vom Geschmack her. Es geht da oft um den Gegensatz zwischen industriell hergestellter Ware und traditionell hergestellter Ware. Richtig Räuchern vs. Flüssigrauch einbringen, Backkunst ohne viel Zusätze und Hilfsstoffen mit entsprechender Handarbeit und Ruhezeit für Teig vs. HighSpeed-Teig ohne Ruhephasen und Handarbeit im Industriebetrieb. HighSpeed Transglutaminase Schinken ausm Vakuum-Tumbler vs. altmodisch ohne Tumbler ausm Stück zeitintensiv hergestelltem Schinken. Und überhaupt: Hochleistungsschweine vs. langsam wachsender geschmacklich optimierteren Rassen.

Solche Unterschiede meinte ich. Und in den Supermärkten gibts halt solche Gourmetprodukte, die im Grunde genauso mittelmäßig hergestellt werden, ggf. sich von der Zutatenqualität ein wenig unterscheiden und das wars.


Ich weiß zuwenig um das mit den Zertifizierungsstellen zu vertiefen. Kann mir aber durchaus vorstellen das es im Grunde nicht anders zu sehen ist, als das man mit dem Siegel ein bestimmtes Kundensegment erreichen kann oder nicht und darauf alleine die Überlegungen beruhen mögen, sich eines anzuschaffen oder wegzulassen. Dann kann es auch nicht wundern, wenn bestimmte Vorgaben eines Siegels gar nicht so gern eingehalten werden. Hängt vermutlich vom Identifikationspotential des Produzenten mit dem Siegel ab. Überzeugte Biojünger halten sich eher daran, genauso wie ein stolzer Fleischer-Handwerksmeister sein Siegel verdient haben wird und seinen Kunden keinen Mist unterjubeln will. Wer allerdings nur nach Kalkulation entscheidet fühlt sich da vermutlich weniger verpflichtet, hauptsache er kann an die Leute verkaufen, die mehr bezahlen. Wie das erreicht wird, is dann ja erstmal zweitrangig.

ZKLP na

Re: Alles Gute ist Bio

Beitragvon ZKLP na » Do 11. Aug 2016, 11:59

Miserable Weizenernte im Kanton Zürich: Wer ist schuld an der Missernte?
Die Weizenernte sei dieses Jahr katastrophal ausgefallen – wegen der nassen Monate Mai und Juni und weil jene Bauern, die vom Bund und vom privaten Anbieter IP Suisse Beiträge erhalten wollten, keine Fungizide im Kampf gegen Pilze [Pilzkrankheiten] einsetzen dürften. Die Konsequenzen daraus malt Schütz in düsteren Farben: «Viele Bauern lieferten an den Sammelstellen Ware ab, mit der man sich früher nicht hätte zeigen dürfen.» Teilweise sei der Weizen so schlecht, dass man ihn nicht einmal als Tierfutter brauchen könne.

Sollte man stattdessen an die Bioveganer abgeben, den Schrott.

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Re: Alles Gute ist Bio

Beitragvon Schrauber2 » Do 11. Aug 2016, 19:35

Sollte man stattdessen an die Bioveganer abgeben, den Schrott.

Die denken, Mutterkorn sei das Beste vom Korn, naturfern, wie die sind.

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Re: Alles Gute ist Bio

Beitragvon Fopper » Do 11. Aug 2016, 20:14

Passt doch sehr gut mit diesem Mist zusammen.
Demnach ist "Bio" auch nicht die Lösung.
Schöne Scheiße.

Merapi n.a.

Re: Alles Gute ist Bio

Beitragvon Merapi n.a. » Do 11. Aug 2016, 20:53


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Re: Alles Gute ist Bio

Beitragvon Fopper » Do 11. Aug 2016, 21:10

So ein Regenjahr ist doch echt Mist.
Kann man sowas nicht verbieten?
Das bringt doch alle Bilanzen durcheinander!

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Re: Alles Gute ist Bio

Beitragvon Zaunkönigleberpastete » Do 11. Aug 2016, 22:04

Merapi n.a. hat geschrieben:Den Bio-Winzern geht es ähnlich

Den Bio-Kartoffelbauern geht es auch nicht viel besser. Neben dem obligatorischen Drahtwurm (typischer Bio-Fruchtfolge-Schädling) ist dieses Jahr von extremer Kraut- und Knollenfäule geprägt:
http://www.swr.de/landesschau-aktuell/r ... 72/805dmq/
»Fleischkonsum macht aggressiv und fördert Verblödung, macht stumpf und hart.« Christian Vagedes

Gastor

Re: Alles Gute ist Bio

Beitragvon Gastor » Fr 12. Aug 2016, 10:45

Fopper hat geschrieben:Passt doch sehr gut mit diesem Mist zusammen.


Man sollte nicht immer alles so negativ sehen.

http://www.achgut.com/artikel/das_maerchen_mit_den_drei_planeten_heute_ist_welt-misanthropen-tag

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Re: Alles Gute ist Bio

Beitragvon BöserWolf » Fr 12. Aug 2016, 13:47

Den im Link erwähnten Hans Rossling kann ich übrigens weiterempfehlen. Aufschlussreich und unterhaltsam:

https://www.youtube.com/results?search_query=rossling+hans
Das Leben ist einfach zu kurz, um es durch Urkost zu verlängern!

Kein Geist ist in Ordnung, dem der Sinn für Humor fehlt. (J.E. Coleridge)

Wer lästert so spät noch in Degerloch: Es ist der Läsker, der lästert noch.

Hans Olo
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Re: Alles Gute ist Bio

Beitragvon Hans Olo » Fr 12. Aug 2016, 18:46

Rossling is super! :rock:

Der vom Donnerstag
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Re: Alles Gute ist Bio

Beitragvon Der vom Donnerstag » Fr 12. Aug 2016, 19:15

Zaunkönigleberpastete hat geschrieben:
Merapi n.a. hat geschrieben:Den Bio-Winzern geht es ähnlich

Den Bio-Kartoffelbauern geht es auch nicht viel besser. Neben dem obligatorischen Drahtwurm (typischer Bio-Fruchtfolge-Schädling) ist dieses Jahr von extremer Kraut- und Knollenfäule geprägt:
http://www.swr.de/landesschau-aktuell/r ... 72/805dmq/


gerade bekommen: http://www.bvl.bund.de/DE/04_Pflanzensc ... _node.html
Cuprozin progress,
Funguran progress Kupferhydroxid 12.07.2016 bis 09.11.2016 in der bestehenden Zulassung zur Anwendung gegen Kraut- und Knollenfäule (Phytophtora infestans) an Kartoffeln wird die Gesamtaufwandmenge auf 4 kg Reinkupfer pro Hektar und Jahr erhöht

jetzt das was ich nicht versteh:
Cuprozin progress
Funguran progress Kupferhydroxid 14.06.2016 bis 11.10.2016 über die bestehende Zulassung hinaus:
gegen Schwarzfäule an Weinrebe im ökologischen Weinbau; für diese Anwendung sowie gegen Rebenperonospora im ökologischen Weinbau gilt: insgesamt max. 4 kg Reinkupfer pro ha; im Fünfjahreszeitraum (vier vergangene Jahre und dieses Jahr) max. 15 kg Reinkupfer pro ha.


könnten die BioKartoffelbauern doch auch nehmen dann, oder :???:

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Re: Alles Gute ist Bio

Beitragvon Fopper » Fr 12. Aug 2016, 20:07

Dann sind die Bio-Kartoffeln aber nur normale Kartoffeln und das über mehrere Jahre.
Es sei denn, es wird wie beim Wein getrickst. Siehe dazu den Link aus https://www.antiveganforum.com/forum/viewtopic.php?f=12&p=386584#p386464.

Der vom Donnerstag
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Re: Alles Gute ist Bio

Beitragvon Der vom Donnerstag » Fr 12. Aug 2016, 21:41

Fopper hat geschrieben:Dann sind die Bio-Kartoffeln aber nur normale Kartoffeln und das über mehrere Jahre.
Es sei denn, es wird wie beim Wein getrickst. Siehe dazu den Link aus https://www.antiveganforum.com/forum/viewtopic.php?f=12&p=386584#p386464.

merci bcp
trotzdem versteh ich das nicht
die selbe pöhse Chemie wie bei nicht bio-Kartoffel, ist tolerabel bei "Bio-wein", aber nicht bei Bio-Kartoffel? Diese Feinheiten sind mir wohl zu hoch. :gaga:

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Re: Alles Gute ist Bio

Beitragvon jac.daco » Fr 12. Aug 2016, 21:50

So blöde es klingt, aber daran erkennst du wie erfolgreich/effektiv oder auch nicht die unterschiedlichen Lobbyisten ihrem miesen Job nach kommen.
"Die Franzosen neigen dazu sehr dünne Steaks zu grillieren, die kaum 200 Gramm wiegen. Für mich ist das Aufschnitt."
„›Bekanntlich‹ ist ein Wort, das überall da Anwendung findet, wo man nicht genau Bescheid weiß.“

Otto von Bismark,

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Re: Alles Gute ist Bio

Beitragvon Zaunkönigleberpastete » Fr 12. Aug 2016, 22:23

Der vom Donnerstag hat geschrieben:könnten die BioKartoffelbauern doch auch nehmen dann, oder :???:

Nehmen sie ja auch (falls noch sinnvoll).

Das Problem ist, dass Cu nur vorbeugend aber nicht heilend wirkt. Ist der Pilz einmal in das Blatt eingedrungen, ist es (vereinfacht gesagt) für die Cu-Spritzung eigentlich schon zu spät. Außerdem muss die Spritzung regelmäßig wiederholt werden, da die Cu-Schutzschicht dummerweise abwaschbar ist und auch neue Blätter nachwachsen. Und selbst bei regelmäiger Spritzung ist die Wirkung von Cu recht bescheiden im Vergleich zu den modernen synthetischen Fungiziden, die auch eine (begrenzt) heilende Wirkung haben.

Im Bio-Weinbau ist die vorbeugende Cu-Spritzung meines Wissens obligatorisch, da der falsche Mehltau in fast jedem Jahr mehr oder weniger problematisch ist. Auerdem sind die Kosten der Cu-Spritzung verhältnismäßig gering, da Weinbau eine sehr hohe Wertschöpfung pro Fläche hat.

Im Bio-Kartoffelbau braucht es für die gleiche Wertschöpfung ein Vielfaches an Fläche. Der Cu-Einsatz ist also ein Kostenfaktor, den man sich gerne erspart und eben erst dann durchführt, wenn er klare Hinweise für eine längere Schlechtwetterperiode bzw. verstärkten Befallsdruck gibt.
Außerdem ist die Befahrbarkeit von Kartoffeläckern in Regenperioden eher schlechter als die von Weinanlagen. Die z.T. wöchentlich notwendige Erneuerung der Cu-Schutzschicht ist dann oft nicht möglich.

Fopper hat geschrieben:Dann sind die Bio-Kartoffeln aber nur normale Kartoffeln und das über mehrere Jahre.

Nein, die bleiben auch beim Einsatz von Cu bio; Cu ist ja von der EU für Bio zugelassen. Die Aberkennung der Bio-Eigenschaft wird für den Einsatz von Kaliumphosphonat im Weinbau diskutiert, da dieses eben NICHT von der EU für Bio zugelassen ist.
»Fleischkonsum macht aggressiv und fördert Verblödung, macht stumpf und hart.« Christian Vagedes


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