Goldener Reis oder Gentechnik im Allgemeinen

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Quarry
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Re: Goldener Reis oder Gentechnik im Allgemeinen

Beitragvon Quarry » Do 30. Jun 2016, 12:31

Ich würde mir echt Gedanken drüber machen wo du deine Kartoffeln herbekommst. Ein Drittel wegschneiden? Das mache ich wenn ich die 3 Wochen rumliegen hab ;-)
Sicher sind viele Obst und Gemüsesorten nicht besser geworden. Aber warum? Weil der Verbraucher dämlicherweise zu süße Äpfel haben will.
Grundsätzlich zu sagen GMO ist gefährlich ist genauso falsch wie zu sagen es ist völlig harmlos. Aber dazu forschen Wissenschaftler ja dran. Ist mit jedem anderem Fortschritt nicht anders.

http://blog.gwup.net/2015/10/04/gentech ... herrenart/
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Rageboy
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Re: Goldener Reis oder Gentechnik im Allgemeinen

Beitragvon Rageboy » Do 30. Jun 2016, 13:17

Quarry hat geschrieben:Sicher sind viele Obst und Gemüsesorten nicht besser geworden. Aber warum? Weil der Verbraucher dämlicherweise zu süße Äpfel haben will.


Nein, Quarry, ein "der Verbraucher will es so" - das greift mir zu kurz.
Es ist vielmehr der kleinste gemeinsame Nenner, der in einem Gefüge aus immer weiteren Ertragssteigerungen weit über die Nachfrage hinaus, fallender Erzeugerpreise und ständiger Verfügbarkeit dabei heraus kommt.
Herr, lass mich ein guter Mensch sein. Aber bitte nicht sofort.

hubers ne

Re: Goldener Reis oder Gentechnik im Allgemeinen

Beitragvon hubers ne » Do 30. Jun 2016, 13:35

Rageboy hat geschrieben:Ich auch, aber in anderer Hinsicht.
Goldener Reis mag im Einzelnen eine sinnvolle Sache sein, das kann ich nicht beurteilen. Dennoch habe ich meine Zweifel daran, dass er in der Lage wäre, an der Vitamin A - Unterversorgung in Entwicklungsländern substanziell etwas zu ändern.

Das Kinder sich halbwegs vernünftig entwickeln können ist also nicht substanziell?
Verdammt noch mal - eine gesunde Entwicklung ist notwendig wenn auch die Menschen in den Ländern dazu fähig sein sollen etwas zu ändern. Geht das in deinen Kopf oder ist es zu hoch.
Wie kann man nur so verbohrt sein immer Bildung, Bildung als Mantra vor sich herzutragen und dann versagt man den Kindern eine - wenn auch nur halbwegs - vernünftige Nährstoffversorgung ohne diese sie nicht in Lage sind zu lernen.
Und nein Golden Rice wird nicht alleine dazu führen das alle Probleme dieser Welt beseitigt werden. Das ist nur ein Baustein der zu einem besseren leben führen kann.
Noch mehr bezweifle ich aber, dass genetisch veränderte Organismen eine der Lösungen für die Welternährungsprobleme darstellen.
Friss Steine wenn du keine aber wirkliche keine Ahnung von Genetik und Pflanzenzüchtung hast.
Deine komplette Nahrung ist genetisch verändert und wird sich immer wieder verändern. Das ist ein Geheimnis des Lebens.
Alle Pflanzenzüchtungen basieren auf genetisch veränderten Organismen. Wenn du einkaufen gehst. Alles genetisch verändert.
Dein Wohlstand heute basiert nur auf genetisch veränderten Organismen. Nur durch diese genetische Veränderung ist es möglich das du via Internet hier deine Meinung kund tun kannst.
Das ist so, als wolle man schnellere Autos zur Vermeidung des Verkehrskollapses in den Innenstädten vorschlagen, weil die dann schneller wegfahren könnten.
Nicht alles was hinkt ist ein Vergleich.
Nur soviel. Züchtung hat nicht nur die Ertragssteigerung zum Ziel.
Das Problem unterentwickelter Länder mit unterernährten Populationen sind nicht potentiell schlechte Erträge.
Doch das sind sie. Sonst würden die Menschen nicht hungern.
Das Problem sind die subventionierten Überschüsse des Westens, die zu Preisen auf ihre Märkte geworfen werden, mit denen sie nicht konkurrieren können.
Klar :gaga:
Wie hoch sind nochmal die Subventionen pro Tonne Weizen in z.B. Deutschland und wie hoch sind die gesamten Produktionskosten und wie schaut es z.B. in Ägypten aus (größter Weizenimporteur). Warum kauft dann Ägypten z.B. Weizen aus der Ukraine und wer subventioniert in der Ukraine den Weizen.
Aber wahrscheinlich bekomme ich als Antwort wieder nur die olle Hühnerbeine Story.
Subventionen Tierhaltung Hühner = nahezu Null (ausser wenn besonders hohe Tierwohlstandards dann gibt es etwas Geld für den Stall). Exportsubventionen = Null.
Weizen = Weltmarktpreis Soja = Weltmarktpreis, Mais = Weltmarktpreis. Energiekosten > höher Weltmarkt, Arbeitskosten >>> Weltmarkt
Also erklär mir jetzt wie der böse Westen durch Subventionen die armen Bauern in Entwicklungsländern kaputt macht.
Das Problem sind Korruption und Vetternwirtschaft. Das Problem sind Rohstoffe, die der Westen ausbeutet u.v.m.
Ah wieder was gelernt. An allem ist der Westen Schuld. Das Korruption und Vetternwirtschaft auch ohne "Gnade" des Westens gedeiht ja das darf nicht sein ... .
Und seit wann werden alle Handelspartner der Entwicklungsländer "dem Westen" zugeordnet.
Diese Probleme werden "patentierte" Nutzpflanzen mehr verstärken als abschwächen, noch dazu dann, wenn sie in den Händen einzelner, weniger Firmen sind.
Wer die Gleichung Gentechnik = patentiert Pflanzen aufstellt hat keine Ahnung.
So als kleiner Tipp.
In komplett Südamerika können keine Pflanzen patentiert werden. Geht nicht. Und trotzdem werden da die gentechnisch gezüchteten Pflanzen im großen Stil angebaut. Und nein Kopplungsprodukte (Saatgut + PSM) wird auch nicht als Bedingung genannt wenn man GMO-Pflanzen anbaut. Es findet nur keine Gewährleistung statt wenn anderes PSM eingesetzt wird und aufgrund von PSM-Schäden dann Schadensersatzforderungen an die Saatgutfirma gestellt werden. Aber wenn interessieren schon Tatsachen.
Für den Westen sind die genmodifizierten Nutzpflanzen zumindest überflüssig. Wieviel Lebensmittel werfen wir weg, im Westen, mal alles zusammengerechnet? 20 % allein der Endverbraucher, insgesamt 40 %, die Hälfte?
Und in Entwicklungsländern liegt die Rate höher. Glaubst du nicht. Ja dann rechne doch mal die Ernteverluste + Lagerverluste + unvermeidbare Verluste (wie z.B. Bananenschalen) von deiner Zahl weg die du hier nennst dann schaut deine Berechnung ganz anders aus. Und dann erkundige dich mal wie hoch die Lagerverluste in Entwicklungsländern sind (kleiner Tipp -> die Zahl liegt über deiner genannten für den "Westen")
Wozu brauchen wir dann Nutzpflanzen mit noch höheren Erträgen, die wir mit noch höherem Aufwand produzieren - damit wir am Ende noch mehr wegschmeißen?
Wer sagt den das höhere Erträge mit höherem Aufwand produziert werden?
Stattet man Pflanzen z.B. mit einer höheren Extremwettertoleranz aus dann ist es eine Ertragsabsicherung und bedingt kein höhere Aufwand. Aber dafür sollte man etwas Ahnung von Landwirtschaft haben ...
Außer möglicherweise in der Tierfutterzucht spielen genmodifizierte Nutzpflanzen in Europa ohnehin keine große Rolle.
Woher das ganze Lecithin kommt das sich in sehr vielen Produkten befindet will ich nicht wissen. Und Baumwolle - ca. 70% all deiner Baumwollprodukte die du in den letzten Jahren gekauft hast sind GMO. Von manchen Naturfaser Hygieneprodukte (besonders der Frauen) ganz zu schweigen. Aber es spielt keine Rolle ... schon klar
Der Verbraucher Die Politik will sie nicht und aber der Verbraucher kauft sienicht wenn er die Möglichkeit hat
So stimmt der Satz.
Über die grundlegenden Vorgänge der Molekulargenetik, allen Einzelergebnissen und Lippenbekenntnissen zum Trotz, ist bislang wenig bekannt.
Und trotzdem wird seit Entstehung des Ackerbaus munter die Molekulargenetik verändert. Aber vielleicht hätte man nie von den Bäumen herunterklettern sollen ...
Meiner Meinung sollte man auf einem Wissenstand wie diesem die Gene von Lebewesen nicht manipulieren, wenigstens jetzt noch nicht.
Dein Unwissen ist kein Maßstab.
Denn es handelt sich nicht nur um temporäre Veränderungen, sondern um Veränderungen, die sich fortpflanzen werden - und wie uns die Vergangenheit zeigt, geht dies auch meistens mit einer deutlichen Verringerung der Sortenvielfalt einher.
Falsch. Erstens beruht Deine Einschätzung auf einer willkürlichen Behauptung denn das die Sortenvielfalt früher soviel höher war wird von Fachleuten bezweifelt weil eben noch keine Möglichkeit bestand bzw. vorhanden war um die Dinge exakt zu beschreiben.
Aber selbst wenn Deine Aussage so zu 100% zutreffen würde - wie sollen denn die vielen Sorten entstanden sein wenn die Merkmale keine temporäre sondern eine vererbbare Veränderung sind. Kleiner Tipp - die Sorten unterscheiden sich molekulargenetisch aber das willste doch verbieten.
Trotz Milliardeninvestitionen und vollmundiger Versprechungen sind uns die Biotechnologien bis heute viele Erklärungen, Ergebnisse und Erfolge schuldig geblieben.
Beispiel?
In der Vergangenheit haben uns die Wissenschaften schon oft vieles versprochen - was dann aber am Ende dabei heraus kam oder welche Konsequenzen es hatte, das steht oft auf einem anderen Blatt.
Tja das ist natürlich ein Grund gegen Veränderungen zu sein ... .
Stellt sich dann aber jemand noch als "Wohltäter der Menschheit" ins Rampenlicht, dann klingeln bei mir die Alarmglocken.
Zurecht. Mir fallen da vorallem sehr viele Organisationen ein die ich ganz oben auf der Liste führen würde
Ähnliches haben uns in den letzten Jahrzehnten schon einige versprochen, am Ende ging es aber nur um eines: Noch mehr Geld zu verdienen, Aktionäre noch reicher zu machen und die Massen noch mehr auszubeuten.
Oh die bösen Hersteller wie Microsoft, Google, Apple, Facebook, BASF, ALDI, Lidl, Syngenta, Pfizer, BMW, Toyota, EON und wie sie alle heißen. All die Produkte bewirkten keine Verbesserung unseres Lebens sondern bereicherten nur die Aktionäre und die Massen darben dahin mit trocken Brot und Wasser ...
Zumal man den Eindruck haben muss, dass die bislang erreichten Ziele selbst der konventionellen Zucht der letzten Jahrzehnte fast nur "auf Masse" abzielen.
Dein Eindruck ist falsch.
Na toll: Noch ertragreichere Tomaten, die nach nichts schmecken, noch mehr Kartoffeln, die man nicht mal den Schweinen geben möchte, noch mehr Äpfel, die nur aus Zuckerwasser bestehen - brauchen wir das? Ich nicht.
Die neuen Tomatensorten heute schmecken besser als alle die die letzten 70 Jahre gezüchtet wurden und unter den ach so dollen alten Sorten ist auch nur eine Handvoll die gut schmeckt. Vorallem wenn man den "Züchtern" der seltenen Sorten glaubt dann züchten sie ja immer weiter ...
Die Kartoffeln heute sind viel besser. Linda ist eine Sorte die man nur für gut befindet wenn man es weis das es sich um die Sorte Linda handelt. Und Bamberger Hörnle - diese werden von 99% aller Kunden genau einmal gekauft.
Zu den Äpfel gibt es hier schon einen sehr langen Faden.
Noch weniger brauche ich aber eine genveränderte Nutzpflanze, die nur noch den Interessen einer großen Nahrungsmittelindustrie dient: Der kürzlich vorgestellte Apfel z.B., der im Anschnitt nicht mehr braun wird. Da kann man den Industrie-Apfelstrudel einfacher produzieren und die Ascorbinsäure im Apfelsaft braucht's als Antioxidans dann auch nicht mehr.
Die Industrie kann das ganze unter Schutzgasbedingungen machen. Die haben am wenigsten Probleme damit.
Und warum soll es gut sein wenn man das gentechnisch erzeugte Antioxidans Ascorbinsäure dem Apfelsatz zusetzt. Oder ist das was anderes wenn man den bekannteren Namen von Ascorbinsäure daraufschreiben kann ohne das man von Konservierungsmittel reden muss.

hubers ne

Re: Goldener Reis oder Gentechnik im Allgemeinen

Beitragvon hubers ne » Do 30. Jun 2016, 13:51

Rageboy hat geschrieben:Dein Link ist mir bekannt, genauso die Tatsache, dass die Menschheit mittels Prozessen, die teils Jahrhunderte oder Jahrtausende gedauert haben, gewünschte Eigenschaften von Nutzpflanzen aus zähen Wildformen erst mühsam herausgezüchtet haben.
Dies aber - wie im Link - als "genetisch verändert" zu bezeichnen, mag eine gewisse Berechtigung haben, finde ich aber plakativ.
es ist genetisch verändert. Punkt. Egal wie du es findest.
Der wesentliche Unterschied zwischen klassischer Zucht und gentechnischer Veränderung ist: Bei der klassischen Zucht ist dies nur über nah verwandte Arten möglich, Ein-, Quer- und Rückkreuzungen inklusive.
Falsch.
Bei manchen Nutzpflanzen, wie z.B. Zitrusfrüchten sind das bereits so schon abenteuerliche Bäume geworden (Abstammungslinien mancher Zitrusfrüchte).
Ein vom Menschen herbeigeführter Zustand, gleichwohl aber in der Natur zumindest möglich.
Falsch. Denn dadurch würde es keine Selektionsvorteil geben.
Bei genmanipulierten Nutzpflanzen werden hingegen Genschnipsel gänzlich anderer Arten eingeschleust.
Ja. Das passiert in der Natur jeden Tag. Einfache Genschnipsel werden auf andere Arten übertragen.
Und das letztlich, ohne die molekulargenetischen Vorgänge grundsätzlich verstanden zu haben.
Verbiete die Natur.
Das Massenwirkungsgesetz der Chemie lässt sich nicht betrügen, auch von genmanipulierten Pflanzen nicht. Ertragreichere Sorten brauchen mehr Dünger - irgendwoher muss die zusätzliche Masse schließlich kommen.
Nö brauchen sie nicht.
Wozu brauchen wir denn "ertragreichere Pflanzen auf weniger Anbaufläche"? Damit wir in Zukunft noch mehr von noch billigeren, noch eigenschaftsloseren Lebensmitteln haben? Von denen wir dann nicht 50 % wegschmeißen, sondern 80 %?
Weil z.B. in Deutschland jeden Tag 70 ha überbaut werden und dabei handelt es sich meistens um Ackerland.
Persönlich kann ich nicht einmal einziges vegetabiles Lebensmittel benennen, welches nach meiner persönlichen Erfahrung in den letzten 30 Jahren besser geworden, ja überhaupt nur gleich geblieben ist.
Jedes Lebensmittel ist besser geworden. Und sei es nur durch verbesserten Anbaumethoden.
Billiger, mehr Masse, jederzeit verfügbar: Das ist alles, was in den letzten 30 Jahren dabei heraus gekommen ist - und das durch konventionelle Zucht:
Die Tomaten waren schon damals bescheiden - aber was da heutzutage im Angebot ist, das ist ein schlechter Witz.
Falsch.
Die Kartoffeln sind definitiv "billiger" geworden - dafür schneide ich i.d.R. mindestens 1/3 weg: Schwarz, überdüngt, Geschmack nichtssagend.
bezweifle ich.
Äpfel: Was ist denn das heutzutage für ein Witz? Früher konnte man wenigstens noch einen Apfel kaufen, der halbwegs nach Apfel schmeckte - wenn man eine andere Sorte kaufte, als Golden Delicious. Heute schmecken alle Sorten im Handel nur nach Zuckerwassser.
Oh schon wieder einer der keine Ahnung hat wie alt die Sorte Golden Delicious ist ...
Natürlich gibt es - noch - andere, bessere Qualitäten der genannten Lebensmittel.
Ja in jedem Supermarkt
Sie werden aber mehr und mehr zu einer "Luxusware".
Nö zur Luxusware wird Schrott weil sich manche einreden das sei etwas besonderes.
Und interessanterweise findet man sie dann im Angebot jener, die aus Überzeugung und/oder Enthusiasmus die gepriesenen "Hochleistungssorten" gar nicht anbauen, sondern meist alte Sorten - auf den Regional- und Bauernmärkten nämlich, und nicht im Supermarkt.
Na wie alt sind den die "alten Sorten"? Und welche noch "älteren Sorten" haben diese "alten Sorten" abgelöst. Die "älteren Sorten" müssen deiner Logik zur Folge ja noch besser schmecken. Richtige Aromabomben quasi.
Vorallem verwundert es mich das wenn man die Zuchtdaten dieser alten Sorten anschaut die Ziele zu der Zeit darin bestanden genügend Lebensmittel zu haben um alle satt zu bekommen. Aber dieser Widerspruch wird nie geklärt werden.
Also warum nimmst du keine noch älteren Sorten denn die schmeckten dann wahrscheinlich noch viel, viel besser ...

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Re: Goldener Reis oder Gentechnik im Allgemeinen

Beitragvon Quarry » Do 30. Jun 2016, 14:06

http://www.spektrum.de/news/nobelpreist ... uf/1414984

Bis zum Jahr 2050 muss sich die landwirtschaftliche Produktion wegen der wachsenden Weltbevölkerung verdoppeln. Dies sei ohne Grüne Gentechnik (GMO) nicht zu schaffen, meinen 108 Nobelpreisträgerinnen und -träger in einem offenen Brief an die Umweltschutzorganisation Greenpeace. Die Laureaten fordern, die Organisation solle ihren Widerstand gegen die Technologie aufgeben, und wünschen sich, dass die Regierungen der Welt endlich den Anbau des so genannten Goldenen Reises frei geben. Diese Sorte wurde gentechnisch so verändert, dass sie mehr Betacarotin und damit Provitamin A produziert. Unter Provitamin-A-Mangel leiden rund 250 Millionen Menschen; das schwächt ihr Immunsystem und beeinträchtigt vor allem Kinder in ihrem Wachstum und ihrer Gesundheit: Bis zu eine halbe Million Menschen erblinden jährlich als Folge der Unterversorgung. Der Goldene Reis soll diesen Missstand unkompliziert und auf breiter Front beheben, sein kommerzieller Anbau ist bislang jedoch nicht zugelassen. Immer wieder zerstören zudem so genannte Aktivisten Versuchsfelder mit der Nutzpflanze, was die Forschungsarbeit beeinträchtigt.
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Re: Goldener Reis oder Gentechnik im Allgemeinen

Beitragvon Rageboy » Do 30. Jun 2016, 14:23

Ich sehe nicht, warum diese Diskussion offenbar so aggressiv geführt werden muss. Hubers ne, nur weil Du anderer Meinung bist als ich, ist das kein Grund für persönliche Angriffe wie diese:

hubers ne hat geschrieben:
Rageboy hat geschrieben:Ich auch, aber in anderer Hinsicht.
Goldener Reis mag im Einzelnen eine sinnvolle Sache sein, das kann ich nicht beurteilen. Dennoch habe ich meine Zweifel daran, dass er in der Lage wäre, an der Vitamin A - Unterversorgung in Entwicklungsländern substanziell etwas zu ändern.

Das Kinder sich halbwegs vernünftig entwickeln können ist also nicht substanziell?
Verdammt noch mal - eine gesunde Entwicklung ist notwendig wenn auch die Menschen in den Ländern dazu fähig sein sollen etwas zu ändern. Geht das in deinen Kopf oder ist es zu hoch.


Und auch kein Grund, meine Aussagen in ihrer Bedeutung zu verdrehen.
Natürlich ist die Unterversorgung von Kindern in Entwicklungsländern ein Skandal. Ich bezweifle aber, dass Entwicklungen wie der Goldene Reis daran etwas ändern werden. Man stellt fest, dass Menschen unter extremen Mangelerscheinungen leiden, da ihnen nur Reis zur Verfügung steht.
Um ihnen dann einen Reis zu geben, der Vitamin A enthält? Es tut mir leid: Das finde ich zynisch.

hubers ne hat geschrieben: <snip>


Zu Deinen weiteren Ausführungen fällt mir einiges ein. Mir gefällt aber Dein Ton nicht und auch nicht die Art und Weise, wie Du meine Aussagen verdrehst. Daher erübrigt sich für mich an dieser Stelle jede weitere Stellungnahme.
Herr, lass mich ein guter Mensch sein. Aber bitte nicht sofort.

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Re: Goldener Reis oder Gentechnik im Allgemeinen

Beitragvon DauergrillerIn » Do 30. Jun 2016, 14:44

Auf der ganzen Welt wird die Grüne Gentechnik verwendet. Seit Jahrzehnten. Und offenbar ohne die ganzen negativen Ergebnisse, die uns von Greenpeace & co. eingeredet werden.

Ich kenne mich mit dem Thema wahrlich nicht genug aus, sehe aber die Resultate. Und denke, die Angstmacherei ist übertrieben. Mehr noch: Sie füllt vor allem bestimmte Spendenkassen.

Das mit dem mangelnden Geschmack ist eine andere Baustelle. Dass Tomaten aus Spanien mittlerweile auch nicht anders schmecken als die aus Holland dürfte in erster Linie daran liegen, dass die heute in genauso in Gewächshäusern angepflanzt werden, in genau so sterilen Umgebungen. Ausserdem habe ich den Eindruck, dass der deutsche Verbraucher eben bekommt, was er mag. Ab und an mal gibt es Couer de Boef Tomaten (oder anderes Gemüse) aus Frankreich. Das ist geschmacklich eine ganz andere Nummer als das, was normalerweise erhältlich ist. Also grundsätzlich scheint es ja zu gehen.
" Leben ohne Tod ist nicht denkbar. Wer das erkennt und das Töten annimmt ist zwar kein besserer Mensch als andere, doch er ist ein mündiger Mensch, ein Erwachsener in der Gesellschaft von Kindern, die den Tod leugnen."
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Re: Goldener Reis oder Gentechnik im Allgemeinen

Beitragvon DauergrillerIn » Do 30. Jun 2016, 15:16

Der folgende Beitrag trifft es ganz gut:

http://www.achgut.com/artikel/turning_tide
" Leben ohne Tod ist nicht denkbar. Wer das erkennt und das Töten annimmt ist zwar kein besserer Mensch als andere, doch er ist ein mündiger Mensch, ein Erwachsener in der Gesellschaft von Kindern, die den Tod leugnen."
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Re: Goldener Reis oder Gentechnik im Allgemeinen

Beitragvon Lavendelfelder » Do 30. Jun 2016, 16:33

DauergrillerIn hat geschrieben:Das mit dem mangelnden Geschmack ist eine andere Baustelle. Dass Tomaten aus Spanien mittlerweile auch nicht anders schmecken als die aus Holland dürfte in erster Linie daran liegen, dass die heute in genauso in Gewächshäusern angepflanzt werden, in genau so sterilen Umgebungen.

Nein, das liegt daran, dass die niederländischen Tomaten geschmacklich besser geworden sind. Es kam auch spanische, italienische, ungarische Ware auf den Markt, und die Niederländer mussten sich anpassen. Der Geschmack hat nichts damit zu tun ob es sich um Gewächshaus-Tomaten handelt oder nicht, sondern um Sorte, Düngung, Bewässerung und Sonneneinstrahlung. Tomaten werden im Gewächshaus gezogen weil sie extrem regenempfindlich sind (Braunfäule, Platzen, etc.). Auch Hobbyzüchter sorgen in der Regel für Regenschutz. Außerdem sind Gewächshäuser nicht steril.

DauergrillerIn hat geschrieben: Ausserdem habe ich den Eindruck, dass der deutsche Verbraucher eben bekommt, was er mag.

Genau! Kaum jemand würde heute noch die niederländischen Tomaten von früher kaufen. Viele kaufen auch heutzutage keine Tomaten aus den Niederlanden weil die den schlechten Ruf weg haben.
DauergrillerIn hat geschrieben:Ab und an mal gibt es Couer de Boef Tomaten (oder anderes Gemüse) aus Frankreich. Das ist geschmacklich eine ganz andere Nummer als das, was normalerweise erhältlich ist.

Du kannst davon ausgehen, dass die Ochsenherztomaten ebenfalls in einem Gewächshaus gezogen wurden.
Ich bin viel schlauer als wie euch!

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Re: Goldener Reis oder Gentechnik im Allgemeinen

Beitragvon Rageboy » Do 30. Jun 2016, 16:41

DauergrillerIn hat geschrieben:Der folgende Beitrag trifft es ganz gut:

http://www.achgut.com/artikel/turning_tide


Das große Problem ist aber – und darauf weist der Appell der Nobelpreisträger hin- dass die NGOs weder demokratisch legitimiert sind, noch irgendeiner ethischen Kontrolle unterliegen.


Bei aller Kritik an den NGOs: Sind das denn die Biotech-Firmen, "demokratisch legitimiert"? Unterliegen sie einer "ethischen Kontrolle"?
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Re: Goldener Reis oder Gentechnik im Allgemeinen

Beitragvon Rageboy » Do 30. Jun 2016, 16:45

DauergrillerIn hat geschrieben:Das mit dem mangelnden Geschmack ist eine andere Baustelle. Dass Tomaten aus Spanien mittlerweile auch nicht anders schmecken als die aus Holland dürfte in erster Linie daran liegen, dass die heute in genauso in Gewächshäusern angepflanzt werden, in genau so sterilen Umgebungen.


Die "geschmacklosen Tomaten" waren als Beispiel dafür gedacht, was dabei herauskommt, wenn im Bereich der Nutzpflanzenzucht nur Attribute wie Ertrags- und Effizienzsteigerungen im Vordergrund stehen, ja deren einziger Gesichtspunkt sind.
Billig, optisch ansprechend, aber eben auch ausdruckslos bei immer höherem Anteil an Lebensmittelvernichtung im Westen.
Herr, lass mich ein guter Mensch sein. Aber bitte nicht sofort.

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Re: Goldener Reis oder Gentechnik im Allgemeinen

Beitragvon Max P » Do 30. Jun 2016, 17:19

Rageboy hat geschrieben:Ich sehe nicht, warum diese Diskussion offenbar so aggressiv geführt werden muss. Hubers ne, nur weil Du anderer Meinung bist als ich, ist das kein Grund für persönliche Angriffe wie diese:
...
Zu Deinen weiteren Ausführungen fällt mir einiges ein. Mir gefällt aber Dein Ton nicht und auch nicht die Art und Weise, wie Du meine Aussagen verdrehst. Daher erübrigt sich für mich an dieser Stelle jede weitere Stellungnahme.

Das ist Hubers übliche Schreibe.
Heribert analysiert: Bei der CDU/CSU genau das gleiche. Die waren mal rechtskonservativ und haben sich dann gewandelt zu einer links/grün angehauchten Hippiepartei.

Gastor

Re: Goldener Reis oder Gentechnik im Allgemeinen

Beitragvon Gastor » Do 30. Jun 2016, 18:17

Rageboy hat geschrieben:Bei aller Kritik an den NGOs: Sind das denn die Biotech-Firmen, "demokratisch legitimiert"? Unterliegen sie einer "ethischen Kontrolle"?
Warum immer solche Whataboutism? Hier geht es gerade um den Gegenpart Wissenschaftler gegen NGOs, nicht um Konzerne vs. NGOs. Was Grüne Gentechnik betrifft ist sich die Fachwelt nämlich ziemlich einig (Abweichler gibt es immer), so dass man da schon einen wissenschaftlichen Konsens annehmen kann, auf dessen Basis die Politik verantwortliche Entscheidungen treffen könnte. Dieser Konsens ist übrigens ein ziemlich wichtiger Punkt. Bei wissenschaftlichen Themen, zumal im Bereich Biologie, kann es nie schaden, wenn man sich anschaut was die Mehrheit der Fachleute vertritt. Hat man dann locker 95%+ die etwas befürworten oder für ungefährlich befinden, kann man als Laie dies beruhigt annehmen, anstatt zu beginnen Verschwörungen zu wittern, also anzunehmen, dass die Wissenschaftlicher von den Konzernen gekauft seien.

Über deine Probleme mit Kartoffeln kann ich nur den Kopf schütteln. Ich kenne niemanden der solche Probleme hat, egal wo die Leute einkaufen, von Discounter über Supermarkt bis hin zum Gemüsehändler oder Bioladen. Wie hubers schon schrieb haben wir über Äpfel schon eine sehr interessante Diskussion geführt. Ansonsten lässt sich auch über Geschmack schwer streiten. Gerade Tomaten mögen viele Leute sowieso nicht und wenn sie dann vielleicht doch beginnen Tomaten zu essen (so wie bei mir der Fall), sind sie über Sorten, die eher lasch im Geschmack sind, froh und wollen gar nicht die Geschmacksexplosion.

DG ne

Re: Goldener Reis oder Gentechnik im Allgemeinen

Beitragvon DG ne » Do 30. Jun 2016, 18:33

Rageboy hat geschrieben:
DauergrillerIn hat geschrieben:Der folgende Beitrag trifft es ganz gut:

http://www.achgut.com/artikel/turning_tide


Das große Problem ist aber – und darauf weist der Appell der Nobelpreisträger hin- dass die NGOs weder demokratisch legitimiert sind, noch irgendeiner ethischen Kontrolle unterliegen.


Bei aller Kritik an den NGOs: Sind das denn die Biotech-Firmen, "demokratisch legitimiert"?

Unterliegen sie einer "ethischen Kontrolle"?


Biotech Firmen kriegen ihre Produkte ohne gesetzliche Zulassungsverfahren nicht auf den Markt. In sofern: ja, sind legitimiert.

Aber Dein Einwand ist reine Ablenkung. Es geht nicht um Biotech, nicht ums Fernsehen, Videospiele, Hunde, die auf die Strasse kacken oder sonstwas, sondern um NGOs.

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Re: Goldener Reis oder Gentechnik im Allgemeinen

Beitragvon Rageboy » Do 30. Jun 2016, 18:40

Gastor hat geschrieben:
Rageboy hat geschrieben:Bei aller Kritik an den NGOs: Sind das denn die Biotech-Firmen, "demokratisch legitimiert"? Unterliegen sie einer "ethischen Kontrolle"?
Warum immer solche Whataboutism? Hier geht es gerade um den Gegenpart Wissenschaftler gegen NGOs, nicht um Konzerne vs. NGOs. Was Grüne Gentechnik betrifft ist sich die Fachwelt nämlich ziemlich einig (Abweichler gibt es immer), so dass man da schon einen wissenschaftlichen Konsens annehmen kann, auf dessen Basis die Politik verantwortliche Entscheidungen treffen könnte. Dieser Konsens ist übrigens ein ziemlich wichtiger Punkt. Bei wissenschaftlichen Themen, zumal im Bereich Biologie, kann es nie schaden, wenn man sich anschaut was die Mehrheit der Fachleute vertritt. Hat man dann locker 95%+ die etwas befürworten oder für ungefährlich befinden, kann man als Laie dies beruhigt annehmen, anstatt zu beginnen Verschwörungen zu wittern, also anzunehmen, dass die Wissenschaftlicher von den Konzernen gekauft seien.


Zu den Verschwörungstheoretikern gehöre ich nicht, allerdings auch nicht zu jenen, die NGOs grundsätzlich verdammen. Sie können nur entstehen und sich halten in einem Umfeld, welches einen Bedarf für sie sieht. Sie sind Teil eines gesellschaftlichen Meinungsprozesses - genauso wie die Konzerne, schließlich geben die ja auch ihre Imagebroschüren heraus und betreiben Lobbyarbeit. "Demokratisch nicht legitimiert" aber als Kritik an NGOs anzubringen, das finde ich genauso deplaziert, wie dasselbe Argument gegenüber Firmen und Konzernen: Da wird das ja auch niemand einfordern.
Schließlich erlassen Firmen keine Gesetze und NGOs auch nicht.

Über deine Probleme mit Kartoffeln kann ich nur den Kopf schütteln. Ich kenne niemanden der solche Probleme hat, egal wo die Leute einkaufen, von Discounter über Supermarkt bis hin zum Gemüsehändler oder Bioladen.


An den Kartoffeln habt ihr Euch jetzt aber festgebissen, was?
Es waren Beispiele und zugegebenermaßen habe ich etwas übertrieben, um meiner Argumentation etwas mehr plakativen Grip zu geben. Ich sehe jetzt ein, dass das ein Fehler war ...
Und ja: Ich bin mit den Kartoffeln, die man hier beim Discounter bekommt nicht zufrieden und mit denen von so manchem Gemüsehändler auch nicht. :grin:

Es sollte damit illustriert werden, dass ich - für den Westen - die Entwicklung genmanipulierter Sorten für überflüssig erachte:
- weil ohnehin schon beträchtliche Überschüsse produziert werden, die dann im Abfall landen. Allein der Endverbraucher verwirft rund 20 % (Quelle auf Wunsch), was Produktion und Handel noch so verwerfen - keine Ahnung. Vermute aber, dass das noch mindestens genauso viel ist.
- weil ich nicht sehe, dass es zu einer Qualitätsverbesserung von Sorten führen wird, sondern nur zur Steigerung von Erträgen, die dann auch noch in den Mülltonnen landen.
Herr, lass mich ein guter Mensch sein. Aber bitte nicht sofort.

DG ne

Re: Goldener Reis oder Gentechnik im Allgemeinen

Beitragvon DG ne » Do 30. Jun 2016, 18:50

Seit ihr die Kartoffeln von unserem kleinen Biohof hier kenne, kann ich die Kritik nachvollziehen. Gilt auch für Karotten, Salat, Eier uvm.

Gastor

Re: Goldener Reis oder Gentechnik im Allgemeinen

Beitragvon Gastor » Do 30. Jun 2016, 18:50

Rageboy hat geschrieben: - weil ich nicht sehe, dass es zu einer Qualitätsverbesserung von Sorten führen wird, sondern nur zur Steigerung von Erträgen, die dann auch noch in den Mülltonnen landen.
Das halte ich für einen Denkfehler, der dann auch noch wegen der allgemeinen Ablehnung blockierend wirkt. Den einzelnen Punkt, nicht noch mehr Ernte/Jahr zu brauchen, kann man durchaus vertreten, deshalb aber GMO generell für uns "im Westen" abzulehnen, halte ich für falsch. Oder hast du kein Interesse an einer Kartoffel, die ohne Pflanzenschutzmittel auskommt? Dieses Beispiel ist nämlich gerade aktuell, wo ein Gründungsmitglied von Greenpeace, heute nicht mehr dabei, dafür plädiert, diesen GMO-bedingten Fortschritt mitzumachen, da es aus seiner Sicht höchst peinlich wäre, wenn der konventionelle Anbau ohne Pflanzenschutzmittel auskommen würde, während man im Bioanbau weiterhin spritzen muss, wegen einer wissenschaftlich nicht haltbaren Ablehnung von GMO.

Grundsätzlich also über Details zu streiten, was man mit der grünen Gentechnik anstellen will, halte ich für vernünftig, man muss nicht jeden einzelnen Punkt befürworten. Aber wegen den allgegenwärtigen Konzernen alles abzulehnen, halte ich für hoch problematisch. Im Zweifelsfall kann man staatlich gefördert an Unis forschen, mit konkreten Zielsetzungen, also zum Beispiel weniger Pflanzenschutzmittel zu brauchen, aber nicht um den Ertrag zu erhöhen. Dies ist aber nicht mehr möglich, weil ein Großteil der Forschung aus dem Land geekelt wurde, auch wegen solch pauschalen Ablehnungen von GMO, wie du sie vertrittst. Wenn wir es nicht tun, tut es wer anders und irgendwann reiben wir uns über den Fortschritt in der Landwirtschaft der durch Grüne Gentechnik ermöglicht wurde, die Augen und müssen die Technologie einkaufen, weil wir sie hier komplett blockiert haben.

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Re: Goldener Reis oder Gentechnik im Allgemeinen

Beitragvon Rageboy » Do 30. Jun 2016, 19:08

Gastor hat geschrieben:Oder hast du kein Interesse an einer Kartoffel, die ohne Pflanzenschutzmittel auskommt?


Vielleicht hätte man das Solanin gar nicht erst aus der Kartoffel herauszüchten sollen, denn vor rund 50 Jahren hatte sie ihr natürliches Insektizid ja noch.

Eine Garantie, dass solche Methoden auch auf Dauer funktionieren, gibt es aber nicht:

In seinem Herkunftsgebiet Nord- und Mittelamerika setzen Landwirte transgenen Mais gegen den Schädling ein, und das mit Erfolg. Seit 2003 die ersten kommerziellen Maishybriden mit einem Toxingen des Bacillus thuringiensis auf den Markt kamen, sind die Ernteverluste durch den Schädling dort deutlich zurückgegangen – und der Anteil der genetisch veränderten Sorten am Maisanbau weltweit kontinuierlich gestiegen. Zuletzt bis auf etwa 60 Millionen Hektar; das entspricht der doppelten Fläche Deutschlands.
Der Erfolg allerdings ist gefährdet, denn der Maiswurzelbohrer hat reagiert.
[...]
Der Schädling wird gegen die bisher gebräuchlichste Variante des Toxins resistent.
[...]
Unerwartet kommt das Problem nicht – genau wie Krankheitserreger gegen Antibiotika resistent werden können, entwickeln Ernteschädlinge früher oder später Unempfindlichkeiten gegen häufig auftretende Gifte. Die Probleme sind die gleichen, die auch auf Antibiotika zutreffen: Die veränderten Pflanzen werden insgesamt zu oft eingesetzt, nicht nur dann, wenn es nötig wäre. Die Wissenschaftler beklagen in ihrem Memorandum, dass Bauern den Mais routinemäßig auch in Gebieten anpflanzen, in denen die Maiswurzelbohrer nur geringe ökonomische Schäden hervorrufen. Zunehmend gebe es zudem gar kein anderes Saatgut mehr auf dem Markt, schreiben die Forscher.

Spektrum.de: Resistenz gegen Genmais: Wieso die Schädlinge sich anpassen

Sieh mal einer an, die Situation ist auch unter den Wissenschaftlern, die den Anbau transgener Sorten befürworten, komplexer:
Sie sollten eher nur gezielt angebaut werden - nämlich nur da, wo Schäden zu erwarten sind. Leider halten sich die Bauern nicht daran.
Vor allem aber: Anderes Saatgut gibt es überhaupt gar keines.

Vor allem aber: Gerade einmal 10 Jahre hat der Schädling gebraucht, um sich an die neue - für ihn giftige - Sorte anzupassen.
Herr, lass mich ein guter Mensch sein. Aber bitte nicht sofort.

Gastor

Re: Goldener Reis oder Gentechnik im Allgemeinen

Beitragvon Gastor » Do 30. Jun 2016, 19:31

@Rageboy: Für mich sind das keine Gegenargumente. Es sind Dinge mit denen man umgehen muss und für die man Lösungen finden kann. Denn auch bei ganz normal gezüchteten oder alten Sorten, muss man Pflanzenschutz mit Pestiziden betreiben und überall passen sich die Schädlinge daran an. Das ist und bleibt ein Wettlauf. Bei diesem Wettlauf für sich selbst ein Werkzeug zu blockieren, macht doch keinen Sinn. Das würde im Endeffekt Stillstand und dann (wenn sich Schädlinge an die aktuell benutzen Pflanzenschutzmittel anpassen) auf einen Rückschritt hinaus laufen.

Vielleicht war es ja gar nicht so dumm das Solanin heraus zu züchten, Zitate aus deutscher und englischer Wikipedia:

Solaninvergiftung kam früher sehr häufig vor, vor allem in Form eines „schweren Magens“ und von Übelkeit, auch Todesfälle wurden beschrieben.


In the 1970s, solanine poisoning affected 78 schoolboys in Britain. Due to immediate and effective treatments, no one died.


Klingt doch vernünftig, für den Menschen problematische/giftige Eigenschaft entfernen, anderen für den Menschen verträglichen Schutzmechanismus einbauen.

hubers ne

Re: Goldener Reis oder Gentechnik im Allgemeinen

Beitragvon hubers ne » Fr 1. Jul 2016, 08:00

Rageboy hat geschrieben:Ich sehe nicht, warum diese Diskussion offenbar so aggressiv geführt werden muss. Hubers ne, nur weil Du anderer Meinung bist als ich, ist das kein Grund für persönliche Angriffe wie diese

Offensichtlich bin ich nicht der einzige der in diesem Zusammenhang aggressiv antwortet.
Siehe Seite 12 in diesem Faden
viewtopic.php?f=12&t=9425&start=275
Rageboy hat geschrieben:
Wer gezwungen ist, sich ausschließlich von Reis zu ernähren, der hat massive Ernährungsprobleme und daran wird dann auch ein Goldener Reis nichts ändern
Da kriege ich das Kotzen. Dieses "bringt eh nix, weil da auch andere Probleme bestehen."
Was, Max Mustermann will eine Brille? Wird gestrichen, der hat Aids, dagegen hilft die Brille eh nicht.



Rageboy hat geschrieben: Und auch kein Grund, meine Aussagen in ihrer Bedeutung zu verdrehen.
Natürlich ist die Unterversorgung von Kindern in Entwicklungsländern ein Skandal. Ich bezweifle aber, dass Entwicklungen wie der Goldene Reis daran etwas ändern werden. Man stellt fest, dass Menschen unter extremen Mangelerscheinungen leiden, da ihnen nur Reis zur Verfügung steht.
Um ihnen dann einen Reis zu geben, der Vitamin A enthält? Es tut mir leid: Das finde ich zynisch.

Wie habe ich Deine Aussage verdreht?
Du behauptest das dies in deinen Aussagen keiner substanziellen Veränderung führen würde.
Alle bisherigen Bemühungen waren definitiv nicht erfolgreich. Egal ob Vitamin A Pillen oder Propagierung der Ökolandwirtschaft.
Jetzt kommen ein paar und versuchen einen neuen Ansatz. Unter der Federführung des International Rice Resarch Institute (IRRI) welches definitiv die Lage und die Bedingungen weshalb viele Menschen sich meistens "nur" Reis leisten können deutlich besser einschätzen kann als z.B. du oder ich.
Im Golden Rice Projekt sind Forscher involviert die dort helfen wollen und wissen das alle bisherigen Wege zu keinem Erfolg führten.
Das IRRI ist durch Bestrebungen eines Mannes entstanden der durch Ideen zur Pflanzenzucht ca. 1 Mrd. Menschen vor dem erbärmlichen Hungertod rettete. Was daran nicht ethisch sein soll verstehe ich nicht.

Das auch schon substanziellen Veränderungen mit anderen Vitamin A durch Züchtung angereicherten Pflanzen erzielt wurden interessierte dich schon am 28 November 2014 nicht viewtopic.php?f=12&t=9425&start=250

Zu Deinen weiteren Ausführungen fällt mir einiges ein. Mir gefällt aber Dein Ton nicht und auch nicht die Art und Weise, wie Du meine Aussagen verdrehst. Daher erübrigt sich für mich an dieser Stelle jede weitere Stellungnahme.

Klar ich verdreh deine Aussagen. Du behauptest Dinge über Pflanzenzüchtung die falsch sind. Da muss ich Garnichts verdrehen.
Viele deiner Aussagen sind sehr fragwürdig und auch wenn dein Ton angeblich so viel besser ist gefallen mir deine Aussagen in der Art und Weise wie du sie hier aufstellst überhaupt nicht.

Verdrehe ich bei dieser Aussage von dir
Rageboy hat geschrieben: Vielleicht hätte man das Solanin gar nicht erst aus der Kartoffel herauszüchten sollen, denn vor rund 50 min. 60 Jahren hatte sie ihr natürliches Insektizid ja noch.
auch wieder wenn ich sage das dies so nicht stimmt?

Warum war zu dieser Zeit Kartoffelkäfer so ein massives Problem. Ganze Schulklassen wurden in die Kartoffelfelder geschickt um Käfer zu sammeln. Warum? Denn nach deiner Meinung hatten sich die Kartoffeln ja selbst geschützt.
Wie hoch ist der Solaningehalt in der Wildkartoffel (welche auch von Kartoffelkäfern befallen wird) im Vergleich zu den Kartoffelsorten vor 60 Jahren?
Das diese alten Sorten nie mit Schale gegessen werden durften muss dann auch erst heute wieder mühsam den Menschen im Westen klar gemacht werden.
Denn nach jahrelanger Indoktrination das die Schalen so wertvoll ist werden Kartoffeln mit einem hohen Solaningehalt so einige Vergiftungen produzieren.
Das interessante ist ja auch das schon heute einige Menschen im Westen diese Probleme („schwerer Magen“, Übelkeit) wahrnehmen wenn sie die alten Sorten bzw. manche "Bio"sorten essen. Erklärt man dann das diese Kartoffeln geschält werden müssen wegen gefährlicher Insektizide dann bekommt man einen ungläubigen Blick denn es seien ja "Biokartoffeln" die garnicht "vergiftet sein können.

Aber wahrscheinlich habe ich deine Aussagen wieder verdreht ...

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Westerwaldschrat
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Re: Goldener Reis oder Gentechnik im Allgemeinen

Beitragvon Westerwaldschrat » Mo 4. Jul 2016, 10:59

Thilo Spahl schreibt auf Novo-Argumente mal wieder zur Gentechnik. Diesmal geht es um den bereits oben erwähnten von 110 Nobelpreisträgern unterschriebenen Brief
.

Übrigens ist Elfriede Jelinek die einzige unterzeichnende NobelpreisträgerXin für Literatur.

Spahl verlinkt auch zur Entgegnung von Greenpeace Deutschland.

Noch ein Schmankerl von der Greenpeace Seite.

Es ist schön zu sehen, dass den Gralshütern der reinen Umweltlehre ihre Menschenfeindlichkeit mal so richtig um die Ohren gehauen wird.
"Gut sein ist vornehm. Aber anderen beibringen, wie man gut ist, ist noch vornehmer – und strengt weniger an."
Mark Twain

Der vom Donnerstag
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Re: Goldener Reis oder Gentechnik im Allgemeinen

Beitragvon Der vom Donnerstag » Mo 4. Jul 2016, 18:53

Die :kringel: von Peta haben auch ein statement dazu abgekotet, mit dem üblichen Blödsinn, hab so gar keine Lust dadraus was zu zitieren: http://www.peta.de/nobelpreistraeger-fo ... 3oJa6LstEl :gaga: :mauer:

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Re: Goldener Reis oder Gentechnik im Allgemeinen

Beitragvon Habra » Mo 4. Jul 2016, 20:20

In meinen Augen ist Greenpeace lediglich ein Spendensammelverein, der nicht mehr wie bei seiner Gründung gegen Raubbau an der Natur und gegen Umweltverschmutzung vorgeht, sondern lediglich noch wie ein Wirtschaftsunternehmen, bestimmt dazu gewisse Greenpeaceeliten zu subventionieren, daran interessiert ist seine Existenz auf jeden Fall und mit allen Mitteln zu sichern. Spätestens seit der Affaire mit der "Brent Spar" sollte man wissen, dass auch Greenpeace lügt, um seine Ziele zu erreichen.
Es ist eine Schande, dass die Politik Greenpeace, PETA und Konsorten so tief in den Enddarm kriecht, dass sie vergisst, dass es auch Institutionen gibt, die eine andere Meinung als die professionellen Spendensammler haben und dennoch höher qualifiziert sind als alle Greenpinse und Petarden zusammen. Und wesentlich unabhängiger als diese sind. Man denke nur an das BfR, das damals von den Grünen selbst initiiert wurde. (Und ein Nobelpreisträger ist eigentlich auch nicht auf der Brennsuppe dahergeschwommen, sondern hat in der Regel durchaus eine recht hohe Qualifikation.)

Dass ich z.B. Gentechnik, Kernkraft und andere verpönte Technologien grundsätzlich nicht sofort pauschal ablehne, hat den Grund, dass wir in Europa eigentlich nur unser Wissen und unser technisches Know-how bieten können, denn wir haben so gut wie keine vermarktungsfähige Bodenschätze, um unseren Lebensstandard halten zu können. Der Handel und das Bankenwesen können kein langfristiger Ersatz für Technologie sein.

Natürlich ist es meines Erachtens relativ sinnlos, gentechnisch matschfreie Tomaten oder Möhren mit Rumpsteakaroma zu erzeugen. Gegen sinnvolle gentechnische Änderungen, wie zum Beispiel Resistenz gegen Pilzerkrankungen, Vitamin-A-angereicherten Reis oder pestizidsparende Pflanzen habe ich nichts - ganz im Gegenteil. Und der von Greenpeace (hier stellvertretend für alle möglichen "Umwelt"verbände) lauthals betriebene Lobbyismus gegen Gentechnik nützt vor allem den Großen (Monsanto, BASF usw.), weil die mittelständigen Saatgutfirmen es sich eben nicht mehr leisten können, in Asien oder Amerika Forschungseinrichtungen und Versuchsfelder zu installieren. Und für Monsanto usw. gilt zwischenzeitlich: Europa ist als Markt viel zu uninteressant, um sich hier unnötig Ärger einzuhandeln.
:mauer:
Und nun eine etwas andere Verschwörungstheorie: Mich würde nicht wundern, wenn Monsanto Greenpeace finanziell unterstützen würde, damit Monsanto seine marktbeherrschende Stellung halten kann. :devil:

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Grimm
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Re: Goldener Reis oder Gentechnik im Allgemeinen

Beitragvon Grimm » Di 5. Jul 2016, 10:27

*fastallesunterschreib*

Habra hat geschrieben:Es ist eine Schande, dass die Politik Greenpeace, PETA und Konsorten so tief in den Enddarm kriecht

Leider tun die Medien das auch nicht selten. Aber ein Greenpeace-"Experte" ist ja auch besonders einfach vors Mikrofon zu bekommen.

In diesem Artikel, der zwar nicht von Greepeace ist, aber auch von Greenpeace verbreitet wurde, erklärt ein gewisser Ronnie Cummins von einer Organic Consumers Association, dass die Nobelpreisträger keine Ahnung haben können oder wollen, weil sie von Monsanto bezahlt werden. Ohne Argumentum ad Monsantium, wie man das jetzt wohl nennt, gehts halt nicht. Dagegen ist deine "etwas andere Verschwörungstheorie" geradezu plausibel. :grin:

Hier einer, der Greenpeace auch gefressen hat: https://risk-monger.com/2016/07/01/the- ... ambitions/

pasajenuevo
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Re: Goldener Reis oder Gentechnik im Allgemeinen

Beitragvon pasajenuevo » Di 5. Jul 2016, 13:45

Greenpeace ist nur eine Tarnfima


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