[abgetrennt] arm, aber nicht sexy: Hartz 4

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Plumbum
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[abgetrennt] arm, aber nicht sexy: Hartz 4

Beitragvon Plumbum » Mo 18. Apr 2016, 17:48

Ohne auf das einzelne einzugehen, aber DAS
Für Nahrung, Sport und Co und viel mehr für ein zufriedenes Leben ist im Regelsatz nichts vorgesehen.
ist doch schwachsinn. Im Regelsatz ist natürlich Nahrung mit einbezogen und es sind über 40 euro für kultur drin, über 30 euro für kommunikation, sowie fahrgeld usw. Und insbesondere die kultur- und kommunikationssätze sind nun wirklich nicht das Problem von Hartz-4-empfängern... Von dem anteil kann man locker mitglied im sportverein sein, ins museum gehen, den bibliotheksausweis bezahlen und im regelfall auch ungefähr ne monatskarte finanzieren. Und auch ernähren kann man sich einigermaßen von dem satz. Natürlich ist das fitnesstudio nicht zwingend drin, aber das muss es auch nicht. Die probleme liegen doch meist woanders, zum beispiel bei den energiekosten. Oder bei verschuldung. Oder neuanschaffungen bei langer arbeitslosigkeit. Und arbeiter, die an viel essen gewöhnt sind, weil sie AKTUELLE Arbeitserfahrung in belastenden branchen haben, die finden fast überall derzeit relativ problemlos arbeit.

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Quarry
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Re: Das Ende des Low-Carb-Fads?

Beitragvon Quarry » Mo 18. Apr 2016, 18:24

http://uploads.hartziv.org/regelsatztorte2016.jpg

Mag ja sein. 33 Euro für Strom? Na bestens. Dann darf aber der Computer nicht lange an sein, und aufwendig kochen ist auch nicht drin. TV schauen dann auch sehr eingeschränkt. Aber was treibt man dann so in seiner Freizeit? Lesen? Geht wenn man sich illegal Ebooks besorgt. Ach ja falls man Haustiere (Aquarien/Terrarien) hat, ist´s damit auch Essig. Lächerlich. Ach ja schonmal versucht von 44 Euro ein soziales Leben wie ab und an mal einen Kneipenbesuch zu finanzieren? Schafft man hier ein Bier, bzw eine Cola am Tag. Fein wieder 15 Minuten des Tages umbekommen.
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Max P
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Re: Das Ende des Low-Carb-Fads?

Beitragvon Max P » Mo 18. Apr 2016, 18:39

Ich kenne eine vierköpfige Familie (Vater, Mutter, zwei Kinder 5 und 10), die bis vor kurzem Hartz4 beziehen musste. Diese Leute können mit Geld umgehen und hatten auch vorher keinen aufwändigen Lebensstil. Dennoch das Fazit: Es reicht hinten und vorne nicht...
"Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretirt, es kömmt aber darauf an, sie zu verändern."

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Plumbum
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Re: Das Ende des Low-Carb-Fads?

Beitragvon Plumbum » Mo 18. Apr 2016, 18:51

Max P hat geschrieben:Ich kenne eine vierköpfige Familie (Vater, Mutter, zwei Kinder 5 und 10), die bis vor kurzem Hartz4 beziehen musste. Diese Leute können mit Geld umgehen und hatten auch vorher keinen aufwändigen Lebensstil. Dennoch das Fazit: Es reicht hinten und vorne nicht...



Das bestreite ich auch nicht.... Aber bevor ich wieder in eine diskussion eintrete... Lies bitte genau, was ich geschrieben habe. ;) ich bin explizit darauf eingegangen, was ich als schwachsinn empfinde und habe die eigentlichen probleme benannt. Und es ist eben schwachsinn, dass kultur usw. Nicht vorgesehen ist im regelsatz. Das ist reiner populismus und meinungsmache. Es ist jedoch kein schwachsinn, dass energiekosten sehr und oft zu niedrig angesetzt sind.

@quarry natürlich, als hartz-iv-empfänger gibt es in D keine möglichkeit, sich legal mit massen an lesestoff zu versorgen. Die ca. 10 euro Jahresgebühr für öffentliche bibliotheken, die auch ebooks enthalten (!!) sind das wirkliche echte problem eines hartz-iv-empfängers. :rolleyes:

Gästin

Re: Das Ende des Low-Carb-Fads?

Beitragvon Gästin » Mo 18. Apr 2016, 19:09

Richtig Plumbum, da ist Geld für Nahrung und es ist auch Falsch wie ich das schrieb. Da fehlte wohl das "gesund" oder "teure" vor Nahrung.

Um es genauer zu sagen: 143,42 Euro sind für Lebensmittel vorgesehen. Auch der Teil für Kultur, auch vieles das auf den ersten Blick eine Form von Wohlstand für Hartz4 Empfänger vermittelt. Koch mal mit dem Geld einen Monat komplett durch vollwertig mit 3 Mahlzeiten, eine davon warm. Mahlzeiten die den Namen verdienen und nicht Korinthenkackerei mit Sarrazin.

Die Realität ist einfach das es sehr schwer ist und insbesondere dann wenn man versucht regelmäßig gesund und frisch zu kochen. Dafür reicht das Geld nicht. Viele sind auch Raucher, oder wollen mal ein Bier. Dafür ist nichts vorgesehen - kann man gut oder schlecht finden.
Der Strom von 33 Euro reicht in den allermeisten Fällen nicht. Insbesondere bei Beziehern mit Nachtspeicher / Stromheizung und dezentralem Warmwasser, bei denen über Einzählermessung der gesamte Stromverbrauch zusammengemixt ist und die Ämter aus Gewohnheit nur den billigen Niedrigtarif zahlen. In solchen Fällen liegt Strom in Einzelfällen gern mal auf 70-100 Euro, meist bei 50-70.
Das Fahrgeld ist 25,45 ein Sozialticket im VRR kostet 34,75, welches nur in der eigenen Stadtzone gilt. Zusatztickets darüber hinaus kosten dann noch mal 3,20 pro Fahrt.
30 Euro für Kommunikation möchte ich sehen. Wüßte keinen Anbieter der heute für 30 Euro Telefon, Mobil und Internet für diesen Preis bereit stellt. Im Gegenteil kommt da selbst bei günstigem Verhalten mehr zusammen. Ich zahle irgendwas jenseits 40 Euro und bin schon ein Pfennigfuchser!

Ich stimme Max P zu. Es ist alles noch mal verschärft im Falle von Familien. Das sorgt oft für viel Streß und die Kinder sind schwer benachteiligt, die bekommen nämlich nur Anteilig Regelsatz, also weniger als 404 Euro, die nur einmal gezahlt werden. Die zweite Eltern bekommt schon fünfzig Euro weniger (scheint sich geändert zu haben, bekommen beide Eltern wohl nur noch 90% weil zwei ja Synergien nutzen können - lol), Kinder bis 6 nur 237 Euro. 6-14 270.

Aber um diese Konstruktion gings mir ja grad nicht obwohl Armut ein wichtiger Teil ist bei der Ursachensuche für Übergewicht. Es sollte mehr die Komplexität der Interpretation von Studien und die Einbettung in vorhandenes Wissen und andere Zusammenhänge gestellt werden. Das ist die Kernaussage. Der Rest nur kurze Stichpunktplauscherei um die sozialen, psychologischen und wirtschaftlichen Zusammenhänge einfach mal in den Raum zu stellen.

Die Gleichung wenig Kohlehydrate oder wenig Fett in der Diät sind alleine für sich genommen nicht ausreichend. Darum gings mir halt. Da stimme ich eher Kalorienzählern zu, die die Art der Kalorien jedem selbst überlassen. Vernünftige Grenze setzen pro Tag und gut is. Die Art der Nahrung wird überbewertet.

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Re: Das Ende des Low-Carb-Fads?

Beitragvon Quarry » Mo 18. Apr 2016, 19:38

Plumbum hat geschrieben:
@quarry natürlich, als hartz-iv-empfänger gibt es in D keine möglichkeit, sich legal mit massen an lesestoff zu versorgen. Die ca. 10 euro Jahresgebühr für öffentliche bibliotheken, die auch ebooks enthalten (!!) sind das wirkliche echte problem eines hartz-iv-empfängers. :rolleyes:


Der übliche Spruch, kostet ja nur. Wenn es eh zuwenig ist und man nicht um die Runden kommt kan 1 € zuviel sein, denn nichtmal den hat man. Die 10 € werden nämlich evtl für die Stromrechnung gebraucht. Ohne Licht liest sich es schlecht. Aber es gibt ja Kerzen die man kauf... oh wait..
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Re: Das Ende des Low-Carb-Fads?

Beitragvon Fopper » Mo 18. Apr 2016, 20:20

Hartz IV ist keine Lösung für einen längeren Zeitraum. Es war als kurzzeitige Überbrückung gedacht. Leider ist es für viele anders gekommen als gedacht.
Ich kann mir auch gut vorstellen, dass Leute die lange Zeit von Hartz IV leben müssen, oder in einer solchen Familie groß werden, durch Mangelernährung und Rückzug aus der Gesellschaft eine kürzere Lebenszeit haben als die, bei denen es nicht der Fall ist.
Gästin hat geschrieben:Die Gleichung wenig Kohlehydrate oder wenig Fett in der Diät sind alleine für sich genommen nicht ausreichend. Darum gings mir halt. Da stimme ich eher Kalorienzählern zu, die die Art der Kalorien jedem selbst überlassen. Vernünftige Grenze setzen pro Tag und gut is. Die Art der Nahrung wird überbewertet.

Ja. Dazu gehört aber auch Bewegung, um die Energie die zugeführt wird zu verbrauchen und den Kreislauf in Schwung zu halten.

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Re: Das Ende des Low-Carb-Fads?

Beitragvon Plumbum » Mo 18. Apr 2016, 21:21

Quarry hat geschrieben:
Plumbum hat geschrieben:
@quarry natürlich, als hartz-iv-empfänger gibt es in D keine möglichkeit, sich legal mit massen an lesestoff zu versorgen. Die ca. 10 euro Jahresgebühr für öffentliche bibliotheken, die auch ebooks enthalten (!!) sind das wirkliche echte problem eines hartz-iv-empfängers. :rolleyes:


Der übliche Spruch, kostet ja nur. Wenn es eh zuwenig ist und man nicht um die Runden kommt kan 1 € zuviel sein, denn nichtmal den hat man. Die 10 € werden nämlich evtl für die Stromrechnung gebraucht. Ohne Licht liest sich es schlecht. Aber es gibt ja Kerzen die man kauf... oh wait..


Es haben hier etliche nicht mit dem lesen oder.... Nochmal in kurzfassung... Ich habe nicht kritisiert, dass es insgesamt zu wenig sein kann. Aber es bringt nichts für die versachlichung einer diskussion, wenn man maßlos übertreibt. Und genau das passiert gerade. Es ist eben eine falsche aussage, dass kein geld im hartz-iv-satz für kultur vorgesehen ist. Einfach nur massiv falsch. Und populistisch. Punkt.

Im übrigen bezweifele ich, dass man als hartz-iv-Empfänger keine 10 euro im Jahr (!!) aufbringen kann für einen bibliotheksausweis, wenn man lesen will. Oft sinds übrigens sogar weniger. (In berlin beispielsweise kostenfrei!) 10 euro sind nämlich der übliche nicht ermäßigte beitrag. Auch hartz-iv-empfänger haben...bei aller finanziellen knappheit .. Übers jahr gesehen finanzielle spielräume im sinne von ..kauf ich mir die packung kaugummi oder nicht. Und die spielräume sollen sie auch haben. Damit kann dann jeder prioritäten setzen. Wer die priorität gegen bildungsteilhabe setzt, kann das machen. Aber meckern ist eben unfair gegenüber der gesellschaft die durchaus bei allen kritiken, die man berechtigt haben kann, nicht wenig geld ausgibt für soziale belange.

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Re: Das Ende des Low-Carb-Fads?

Beitragvon Plumbum » Mo 18. Apr 2016, 21:34

Gästin hat geschrieben:Richtig Plumbum, da ist Geld für Nahrung und es ist auch Falsch wie ich das schrieb. Da fehlte wohl das "gesund" oder "teure" vor Nahrung.

Um es genauer zu sagen: 143,42 Euro sind für Lebensmittel vorgesehen. Auch der Teil für Kultur, auch vieles das auf den ersten Blick eine Form von Wohlstand für Hartz4 Empfänger vermittelt. Koch mal mit dem Geld einen Monat komplett durch vollwertig mit 3 Mahlzeiten, eine davon warm. Mahlzeiten die den Namen verdienen und nicht Korinthenkackerei mit Sarrazin.

Die Realität ist einfach das es sehr schwer ist und insbesondere dann wenn man versucht regelmäßig gesund und frisch zu kochen. Dafür reicht das Geld nicht. Viele sind auch Raucher, oder wollen mal ein Bier. Dafür ist nichts vorgesehen - kann man gut oder schlecht finden.
Der Strom von 33 Euro reicht in den allermeisten Fällen nicht. Insbesondere bei Beziehern mit Nachtspeicher / Stromheizung und dezentralem Warmwasser, bei denen über Einzählermessung der gesamte Stromverbrauch zusammengemixt ist und die Ämter aus Gewohnheit nur den billigen Niedrigtarif zahlen. In solchen Fällen liegt Strom in Einzelfällen gern mal auf 70-100 Euro, meist bei 50-70.
Das Fahrgeld ist 25,45 ein Sozialticket im VRR kostet 34,75, welches nur in der eigenen Stadtzone gilt. Zusatztickets darüber hinaus kosten dann noch mal 3,20 pro Fahrt.
30 Euro für Kommunikation möchte ich sehen. Wüßte keinen Anbieter der heute für 30 Euro Telefon, Mobil und Internet für diesen Preis bereit stellt. Im Gegenteil kommt da selbst bei günstigem Verhalten mehr zusammen. Ich zahle irgendwas jenseits 40 Euro und bin schon ein Pfennigfuchser!


Sorry, aber wir kommen als 4-köpfige familie mit 400 euro fürs essen übern monat hin. Und haben dabei durchaus frisches obst und gemüse im speiseplan. Und ne andere befreundete familie mit 6 leuten gehts genauso. Und wir hätten sicherlich noch sparreserven. Sozialtickets sind in einigen orten oberhalb des entsprechenden satzes, aber nicht überall. Sorry, handy geht auch prepaid. Mit 9 cent/minute hält ne karte ewig. Smartphone mit mobilem netz ist durchaus luxus. Ist man aber auch mit nem zehner dabei. Ist auch ne frage der prioritäten. Viele dieser entscheidungen müssen auch von leuten getroffen werden, die kein hartz Iv beziehen.

Natürlich gibt es durchaus probleme, insbesondere, wenn man dauerhaft drauf angewiesen ist. Oder kredite hat. Usw. Aber manche aussagen liegen für mich durchaus fernab der wirklichkeit und suggerieren, als ob das alles themen wäre, die alle anderen bevölkerungsgruppen außer die hartz-iv-empfänger niemals nicht tangieren. Und bei sowas wie "keine möglichkeit, an bücher zu kommen", wirds wirklich absurd.

Einar n.e.

Re: Das Ende des Low-Carb-Fads?

Beitragvon Einar n.e. » Mo 18. Apr 2016, 22:08

Na ja ... es soll Gegenden geben, in denen es gar keine Bibliotheken gibt, wo der nächste Laden 10 km weg ist und die Schule für die Kids 20 und der nächste Facharzt 50 und dann wird es trotz Sozialticket schnell eng, mal ganz davon abgesehen, dass viele Betroffene sich ihr Leben anhand des verfügbaren Arbeitseinkommns eingerichtet hatten und dann aus bestimmten Verpflichtungen nicht ohne weiteres rauskommen.

Gästin

Re: Das Ende des Low-Carb-Fads?

Beitragvon Gästin » Mo 18. Apr 2016, 23:34

<blockquote>dass kein geld im hartz-iv-satz für kultur vorgesehen ist.</blockquote>

Nun ja. Ich habe das Wort Kultur nicht gebraucht, sondern das Wort Zufriedenheit und bei Nahrung hatte ich mich wie ich einräumte vertippt. Hartz4 ist kein üppiges Zuckerschlecken und ich hatte lange genug das Vergnügen und bin der Auffassung das das Gerede der meisten noch nie Betroffen nichts anderes als Gerede ist. Wer seine Ausgaben nicht Euro für Euro nicht im Haushaltsbuch nachhält, der kann viel von "Gefühlt" erzählen. Sind in den 400 Euro auch die ganzen Mahlzeiten ausser Haus schon drin, die die Kinder ausserhalb gönnen? Die Imbissstationen, die vom Taschengeld angepeilt werden? Oder ist das nur das reine Kochen zu Hause? Kantinenessen mitgerechnet? Nochmal daran denken das ein Kind nicht 143,xx Euro hat, sondern der Regelsatz gestaffelt ist. Bis 6 Jahren ist das grad mal 60% des Regelsatzes.
Die Kinder haben auch ganz sicher Prepaid und kommen mit einer Aufladung von wenigen Euro aus? Oder haben die nicht doch alle ne Flat, die erstmal 15-25 Euro kostet? Und Smartphones sind auch nicht so billig, muss man auch erstmal kaufen, genauso wie PC oder andere Internetgeräte. Und jetzt nicht erzählen das es noch ohne Internet und PC ginge ...

Wer meint das Hartz4 keine Armut ist sondern üppiges Festmahl und fröhliches Bücherlesen sollte sich überlegen ob es sich lohnt noch täglich 8-12 Stunden für die Maloche zu investieren. Hartz4 ist üppig toll und so bequem? Dann los, einfach ausprobieren.
Die Summen von Hartz4 sind meiner Meinung nach nicht mal auf dem Papier großzügig. Ich will das auch nicht weiter vertiefen. Einfach auf meine Intention eingehen und nicht an dem Punkt festbeißen.

Das Argument im Beitrag ist vielmehr das Armut ein Problem ist, das zu Übergewicht führt und Übergewicht zu Armut. Wenn ich im Detail Armut falsch beschrieben habe, die Zusammenhänge nicht wissenschaftlich korrekt dargestellt, dann ja sorry, aber das ändert an der Aussage und an der Richtigkeit nichts.

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Re: Das Ende des Low-Carb-Fads?

Beitragvon Plumbum » Di 19. Apr 2016, 06:26

Einar n.e. hat geschrieben:Na ja ... es soll Gegenden geben, in denen es gar keine Bibliotheken gibt, wo der nächste Laden 10 km weg ist und die Schule für die Kids 20 und der nächste Facharzt 50 und dann wird es trotz Sozialticket schnell eng, mal ganz davon abgesehen, dass viele Betroffene sich ihr Leben anhand des verfügbaren Arbeitseinkommns eingerichtet hatten und dann aus bestimmten Verpflichtungen nicht ohne weiteres rauskommen.


Klar und man muss die summe sämtlicher härtefälle zusammenzählen, um wirklich alles für ausnahmslos jeden hartziv- empfänger für unmöglich zu erklären. Anstatt durchaus mal anzuerkennen, dass die mehrheit der hartz-iv-empfänger durchaus nicht auf bücher oder sport verzichten muss und es reine bequemlichkeit oder desinteresse ist, wenn man sich nicht darum kümmert. Und anstatt einfach mal anzuerkennen, dass der poster, gegen den ich mich gewandt habe, tatsächlich nachgewiesen populistischen bullshit gelabert hat.

Und der rest fällt unter die problemstellungen, die ich selbst bereits benannt habe.

Aber natürlich... Sobald man auch nur den funken einer kritik äußert beim thema hartz-iv und mal darauf hinweist, dass es da durchaus bei allen problemen auch einige möglichkeiten zur teilhabe am sozialen leben gibt und einige benannte probleme durchaus nicht nur hartz-iv-typisch sind, sondern auch den sich allein finanzierenden normalo trifft, ist man der ultra, der pauschal alle probleme negiert.

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Re: Das Ende des Low-Carb-Fads?

Beitragvon Plumbum » Di 19. Apr 2016, 06:42

Gästin hat geschrieben:<blockquote>dass kein geld im hartz-iv-satz für kultur vorgesehen ist.</blockquote>

Nun ja. Ich habe das Wort Kultur nicht gebraucht, sondern das Wort Zufriedenheit und bei Nahrung hatte ich mich wie ich einräumte vertippt. Hartz4 ist kein üppiges Zuckerschlecken und ich hatte lange genug das Vergnügen und bin der Auffassung das das Gerede der meisten noch nie Betroffen nichts anderes als Gerede ist. Wer seine Ausgaben nicht Euro für Euro nicht im Haushaltsbuch nachhält, der kann viel von "Gefühlt" erzählen. Sind in den 400 Euro auch die ganzen Mahlzeiten ausser Haus schon drin, die die Kinder ausserhalb gönnen? Die Imbissstationen, die vom Taschengeld angepeilt werden? Oder ist das nur das reine Kochen zu Hause? Kantinenessen mitgerechnet? Nochmal daran denken das ein Kind nicht 143,xx Euro hat, sondern der Regelsatz gestaffelt ist. Bis 6 Jahren ist das grad mal 60% des Regelsatzes.
Die Kinder haben auch ganz sicher Prepaid und kommen mit einer Aufladung von wenigen Euro aus? Oder haben die nicht doch alle ne Flat, die erstmal 15-25 Euro kostet? Und Smartphones sind auch nicht so billig, muss man auch erstmal kaufen, genauso wie PC oder andere Internetgeräte. Und jetzt nicht erzählen das es noch ohne Internet und PC ginge ...

Wer meint das Hartz4 keine Armut ist sondern üppiges Festmahl und fröhliches Bücherlesen sollte sich überlegen ob es sich lohnt noch täglich 8-12 Stunden für die Maloche zu investieren. Hartz4 ist üppig toll und so bequem? Dann los, einfach ausprobieren.
Die Summen von Hartz4 sind meiner Meinung nach nicht mal auf dem Papier großzügig. Ich will das auch nicht weiter vertiefen. Einfach auf meine Intention eingehen und nicht an dem Punkt festbeißen.

Das Argument im Beitrag ist vielmehr das Armut ein Problem ist, das zu Übergewicht führt und Übergewicht zu Armut. Wenn ich im Detail Armut falsch beschrieben habe, die Zusammenhänge nicht wissenschaftlich korrekt dargestellt, dann ja sorry, aber das ändert an der Aussage und an der Richtigkeit nichts.


1. ich habe nie gesagt, dass hartz iv üppig ist. Soll es nicht, darf es nicht, weil sozialleistung. Ich wehre mich nur gegen aussagen, dass nichts möglich ist. Wäre es das nicht, dann hätten sich viele nicht jahrelang darauf eingerichtet. Und ja... Nicht jeder sucht angestrengt arbeit und hat das problem, dass er keine findet. Im übrigen... Als hartz-iv-bezieher gelten auch aufstocker. Da kommen bei einer familie schnell mal einige hundert euro mehr als die normalen regelsätze zusammen. Was immer noch nicht üppig ist. Aber halt mehr.

2. die kinder im haushalt haben kein handy. Das mit der ernährung stimmt jedoch, ich führe ein haushaltskonto und sehe, was abgeht. Es müssen nämlich nicht nur hartz-iv-bezieher eng kalkulieren, sondern auch familien, die vom staat bezüglich unterhaltspflicht verarscht werden. Die liegen nämlich ganz schnell in der lebensqualität für die allgemeinen ausgaben auf dem niveau eines arbeitenden hartz-iv-empfängers. Vergünstigungen gibts da nämlich nicht.


Und das armut zu depression, dass zu reduziertem elan und damit wieder zu weiteren problemen, wie übergewicht führen kann, ist bekannt. Aber populistische aussagen, die einfach nicht haltbar sind, helfen trotzdem nicht weiter. Genau das ist doch allgemein das problem... Auf der einen seite leute, die immer schreien, wie gut es den hartz-iv-empfängern geht, auf der anderen seite sowas wie sozialverbände, die wirklich alle zu absoluten opfern erklären und ihnen jede selbstwirksamkeit absprechen, anstatt mal anzuerkennen, dass wir durchaus einen recht üppigen sozialstaat gegenüber vielen anderen ländern hat, dass man aber an der feinjustierung arbeiten kann und sollte.

Gästin

Re: Das Ende des Low-Carb-Fads?

Beitragvon Gästin » Di 19. Apr 2016, 10:00

Ok, bleiben wir ein bischen OT, ist ja auch interessant.

1. ich habe nie gesagt, dass hartz iv üppig ist. Soll es nicht, darf es nicht, weil sozialleistung.


Seh ich auch so, wenn auch warscheinlich in etwas anderem Maßstab.
Ich wehre mich nur gegen aussagen, dass nichts möglich ist. Wäre es das nicht, dann hätten sich viele nicht jahrelang darauf eingerichtet.


Es ist fast immer nicht freiwillig. Die meisten Leistungsbezieher sind das nicht freiwillig sondern aus Zwängen heraus, die sie nicht wirklich in der Hand haben. Ich habe diese gestrandeten Gruppen immer wieder auf dem Amt gesehen. Schon von einem Antrag heillos überfordert, manchmal wenig Deutsch verstehend und am Beamtendeutsch verzweifelnd. Viele mit sozialen Problemen, die man den Leuten schon irgendwie ansieht, psychisch krank oder sonstwie Verhaltensprobleme oder Krankheiten. Häufig Randexistenzen ohne die notwendigen Fähigkeiten sich aus dieser Lage herauszuarbeiten und ohne Chancen Arbeit zu finden.
Natürlich mag es auch die wenigen geben, die sich wirklich wohl fühlen mit dem Minisatz. Das dürften aber weniger sein als diejenigen, die Sozialbetrug begehen und nebenher schwarz arbeiten, was ich für die eine Sauerei halte. Trotzdem stelle ich mal die Frage wieso Steuerhinterziehung als Kavaliersdelikt gilt, Hartz4-Betrug jedoch geradezu als Kapitalverbrechen?
Gab in der letzten "Die Anstalt" eine schöne Szene dazu, als Pointe, Steuervermeidung leicht gemacht mit einem Deutschen Staat, der sich als Steuerparadies prostituiert und nicht wirklich zu Versteuernde Vermögen sucht, während eine einzige Hartz4 Akte jedoch hunderte Seiten umfasst.

Und ja... Nicht jeder sucht angestrengt arbeit und hat das problem, dass er keine findet.


Das ist nur bedingt richtig. Ein Fall ist jetzt im Bekanntenkreis aktuell. 111 Bewerbungen, sehr anständiger Mensch. 45 Jahre, gelernter Einzelhandelskaufmann, umgeschult auf Metallverarbeitung. Nicht das da keine Stellen sind, aber man will ihn nicht. Obwohl der noch locker als 30 durchgeht, ein sehr jung gebliebener Typ. Ok, der sucht angestrengt und findet leider nicht - aber darum gehts grade nicht. Die Frage ist: Wie lange hält man das durch? Wann ists dem Individuum genug? Wann haben die Leute es satt sich bei Zeitarbeitsfirmen oder Personalüberlassungen die Daten absaugen zu lassen? Wann hat man Vorstellungsgespräche und die damit verbundenen persönlichen Rückschläge satt? Die Perspektive für viele, besonders langjährige Hartz4 Leistungsbezieher ist von Minilohn zu Minilohn, ohne Aussicht auf Besserung, ohne wirkliche Perspektive!
Die meisten werden mit Minilöhnen abgespeist, man bietet nur noch Minijobs, wenn überhaupt. Das reicht aber nicht zum Ausstieg aus Hartz4 und "lohnt" sich eher nicht. Denn Einkommen bei Hartz4 wird angerechnet.
Im übrigen... Als hartz-iv-bezieher gelten auch aufstocker. Da kommen bei einer familie schnell mal einige hundert euro mehr als die normalen regelsätze zusammen. Was immer noch nicht üppig ist. Aber halt mehr.


So einfach ist das nicht. http://www.harald-thome.de/media/files/ ... 3.2016.pdf
Auf Seiten 69-74 ist ein Fallbeispiel, kanns grad nicht anders zeigen. Die Quelle ist übrigens das Beste was es zu Hartz4 zu lesen gibt und sollte jeder mal durchschauen, der meint, es sei so einfach mit Hartz4. Das ist also das, was ein Hartz4 Leistungsberechtigter so alles wissen muss, denn die Behörde sagt es den Beziehern sehr oft nicht und das über 50% - 80% der Bescheide mal mehr mal weniger falsch sind (dreimal dürfen Sie raten zu wessen Lasten i.d.R. die Fehler gehen) ist allgemein Bekannt.

Familien, die grade über Hartz4 verdienen, die profitieren erheblich vom Kindergeld. Das wird bei Hartz4 komplett angerechnet wie ein Einkommen, so das alleine durch diese Leistung ein Unterschied von mehreren hundert Euros besteht bei einer vier oder sechsköpfigen Familie.

2. die kinder im haushalt haben kein handy. Das mit der ernährung stimmt jedoch, ich führe ein haushaltskonto und sehe, was abgeht. Es müssen nämlich nicht nur hartz-iv-bezieher eng kalkulieren, sondern auch familien, die vom staat bezüglich unterhaltspflicht verarscht werden. Die liegen nämlich ganz schnell in der lebensqualität für die allgemeinen ausgaben auf dem niveau eines arbeitenden hartz-iv-empfängers. Vergünstigungen gibts da nämlich nicht.

Das es auch Armut ausserhalb von Hartz4 gibt, steht völlig ausser Frage. Das Hartz4 Empfänger oft und meiner Meinung nach wirklich OFT an ihrer Geldknappheit und Bedürftigkeit eine Mitverantwortung tragen ist auch keine Frage! Viele sind ja gerade wegen sozialer Unzulänglichkeiten, sozialen Problemen und daraus folgenden Verhaltens- und Entwicklungsstörungen -verzögerungen zu solchen Fällen geworden. Denen jetzt abzufordern das sie besser als alle andere sind ist dasselbe Niveau wie man es bei Minderheitenbashing kennt: Mitglieder einer Minderheit müssen immer doppelt so gut sein damit sie eine Chance von der Mehrheit bekommen. Und trotzdem werden sie noch gebasht. So ähnlich sehe ich das.


Und das armut zu depression, dass zu reduziertem elan und damit wieder zu weiteren problemen, wie übergewicht führen kann, ist bekannt.


Sind wir uns hier offenbar einig.
Aber populistische aussagen, die einfach nicht haltbar sind, helfen trotzdem nicht weiter.


Das Problem war wie ich formuliert habe. Ich hatte einfach keine bessere Formulierung und sie haben sie wörtlich genommen obwohl mir mehr Sinngemäß das Anliegen war und da sind wir uns ja eher (mehr oder weniger) einig: Hartz4 als Synonym für Amrut ist wenig, hart und doof und kostet Lebensqualität, Gesundheit, Freiheit und auf Dauer Lebensperspektiven.

Genau das ist doch allgemein das problem... Auf der einen seite leute, die immer schreien, wie gut es den hartz-iv-empfängern geht, auf der anderen seite sowas wie sozialverbände, die wirklich alle zu absoluten opfern erklären und ihnen jede selbstwirksamkeit absprechen, anstatt mal anzuerkennen, dass wir durchaus einen recht üppigen sozialstaat gegenüber vielen anderen ländern hat, dass man aber an der feinjustierung arbeiten kann und sollte.


Deutschland hat keinen Sozialstaat. Oder glauben Sie wirklich das es sozial ist, den Armen und Geringverdienern und dem Mittelstand zu nehmen und es den Ärmsten zu geben? Wieso gibt es für Sozialbeiträge und Rentenversicherung wohl den Schutzzaun für Reiche? Die Beitragsbemessungsgrenze? So kommt es, das jemand der 100 Euro Nebenjob hat, 35 Euro sozialversicherung und damit 30+ Prozent zahlt, während jemand mit 10.000 Euro Einkommen nur mehr im einstelligen Bereich Sozialversicherung zahlt?

Das es sowas wie Hartz4 nötig hat, liegt allein daran, das der Staat heute die Löhne zum Teil finanzieren will und die Unternehmen die Löhne seit Anfang der neunziger dermaßen gedrückt bzw. niedrig gehalten haben das es keinerlei Lohnzuwachs gab für mittelständische Arbeitnehmer in Deutschland.
Sozialleistungen wurden mit Hartz4 abgeschafft. Hartz4 ist in vielen Bereichen eine KANN Leistung, keine Pflicht-Leistung. Die Würde des Hartz4 Beziehers wird mit Füßen getreten. Nicht alleine aber auch vom Staatswesen, dem die Hetze und die soziale Stigmatisierung wünscht und direkt oder indirekt fördert. Damit wird der Antrieb für alle da bloß nicht dazu zu gehören möglichst groß und das ist gewollt. Anders ist es nicht zu erklären.

Die wesentlichen Unterschiede zwischen Sozialhilfe war einmal, das es darum ging mit den Sozialleistungen die Würde des Menschen zu erhalten. Es wurde immer erst gezahlt, geschaut das es dem Menschen gut geht. Hartz4 kam erstmal als Kürzung daher und schaffte allesamt jede Einzelfallbeihilfe, Härtezuschläge und Co. ab. Das es dafür heute einen marginalen Ersatz gibt (nur wenn man Bock auf Klagen hat meistens) ist nur der dauernden Bemühungen von Einzelpersonen und Verbänden zu verdanken, die gegen die einzelnen Gesetzwidrigkeiten geklagt hatten. Denn fast jede Anpassung und Erhöhung ist ein Ergebniss eines BSG Urteils. Und wenn dann dort eine Verpflichtung zur Erhöhung oder dergleichen beschlossen wurde, dann kam eine Von der Leyen daher und hat erstmal Hartz4 gekürzt, um es danach zu erhöhen. Genauso wie die angeblichen Wohltaten ihrer Mittagspeisung oder Bildungspaket. Das sind nichts als Luftnummern, die in der Regel durch Kürzungen woanders querfinanziert wurden. Nicht der Nummer des gestrichenen Elterngeldes zu reden, das dann dafür verwendet wird die sogenannte "Akademikerinnenwurfquote" zu finanzieren. Damit gut betuchte noch betuchter sind wenn sie denn mal einen Kinderwunsch realisieren - hat ja auch nicht geklappt, die Kürzungen und Härten bei den jungen Eltern mit Hartz4 bleiben trotzdem.

Wir haben kein Sozialsystem das den Namen verdient. Menschen erhalten gerade so das notwendigste in Deutschland. Das das ein ordentlicher Batzn ist, liegt anden hohen Lebenshaltungskosten in Deutschland und an nichts anderem. Da wird trotzdem noch zusammengekürzt und unterschlagen was geht - mit Duldung unseres "sozialen Systems"

Das soll nicht heißen, das ich nicht dafür bin dankbar zu sein für jeden Euro Hartz4 und das jeder Leistungsberechtigte das auch wertschätzen sollte, das die Gemeinschaft - auf welche Art auch immer - vom Staat gezwungen wird füreinander Verantwortung zu tragen. Das ist eine wichtige Leistung unseres Staates trotz aller Kritikpunkte!
Zufriedenheit ist auch nicht käuflich. Da reicht auch nicht 500, 600 oder gar 1000 Euro Hartz4 Eckregelsatz, dafür braucht man eine entsprechende Einstellung und den Willen sich zufrieden zu sein mit dem was man hat - Genügsamkeit und Dankbarkeit zu leben. Das kostet nichts ausser ein paar Zacken in der Krone und das ist für viele auch schwer zu erreichen. Ist aber auch nicht einfach sich so weit zu emanzipieren.

:bmotz: :opa: ;)

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Re: Das Ende des Low-Carb-Fads?

Beitragvon Plumbum » Di 19. Apr 2016, 11:01

Gab in der letzten "Die Anstalt" eine schöne Szene dazu, als Pointe, Steuervermeidung leicht gemacht mit einem Deutschen Staat, der sich als Steuerparadies prostituiert und nicht wirklich zu Versteuernde Vermögen sucht, während eine einzige Hartz4 Akte jedoch hunderte Seiten umfasst.



Wobei das wieder ne populistische aussage ist... Denn die dicke der seiten einer sozialakte kann auch aussagen, dass viel beantragt und bewilligt wurde.

Dem rest stimme ich zu. Die kontrollen bei den vermögenden haben seit jahren sogar abgenommen, wenn man den zeitungsberichten glauben darf und dass die finanzämzer chronisch unterbesetzt sind und damit steuerbetrug ermöglichen, ist auch lange bekannt.

Genausowenig ist jede rückforderung von algII als betrug anzusehen, wie es die bild gerne mal darstellt.

Die gestrandeten existenzen gibt es tatsächlich und sie sind nicht wenig unter den AlgII-empfängern zu finden. Wobei hier nicht der hartz-IV-satz schuld der misere ist, sondern sie sind in hartz IV aufgrund der misere. Das rechtfertigt natürlich politisch nicht, dass die wohnkosten (meines erachtens) chronisch unterfinanziert sind im algII.

Das ist nur bedingt richtig. Ein Fall ....


Dein Fallbeispiel widerspricht meiner Aussage nicht und macht damit daraus auch keine bedingte Richtigkeit. Denn ich hab gesagt "nicht jeder sucht arbeit". Der fakt wird auch nicht entkräftet durch arbeitssuchende, die sehr fleißig sind.

Zum rest... Da bin ich in der bewertung sehr vorsichtig. Man kennt immer nur eine seite der schilderung. 111 bewerbungen zum beispiel... Klingt gut, aber in welchem zeitraum. Sind es 1 jahr, ist es viel, bei 5 jahren hält sich der fleiß bereits in grenzen. Ich habe sehr viele beispiele kennengelernt, wo gelinde gesagt, bei genauerem hinsehen zumindestens ungeschicklichkeiten bei der arbeitssuche auftauchen. Ohne das jetzt als vorwurf zu nehmen, aber als analyse stimmt das einfach. Es ist schon merkwürdig, wie unterschiedlich bei formal gleichen voraussetzungen die arbeitssuche bei 2 personen ausfallen kann. Sieht man genauer hin, ist meistens eine person wesentlich taffer und leistungsorientierter. Das trifft auch für den helferbereich zu. Es ist tatsächlich zwar auch, aber nicht nur der arbeitsmarkt. Es machen auch die persönlichen einstellungen der menschen, z.B. ist es einigen signifikant wichtiger, so wenig wie möglich vom staat abhängig zu sein bereits für ihr eigenes selbstverständnis, während es anderen mehr darum geht, ob es sich finanziell lohnt. Das sind 2 verschiedene ansätze, aber der erstere führt zu höheren bemühungen im niedriglohnsektor.

Das mit den minijobs stimmt nicht mehr. Die argumentation stimmte vor 3 jahren, in der zwischenzeit wurden aber haufenweise minijobs flächendeckend in zumindestens teilzeitjobs umgewandelt. Das lässt sich leicht nachlesen, da gabs etliche zeitungsartikel dazu und die eigene Beobachtung des Marktes bestätigt das noch. Für die aktuelle Lage ist deine aussage als allgemeinaussage schlichtweg falsch. Das schließt natürlich einzelfälle nicht aus.

Einkommen bei hartz-iv wurd angerechnet, das stimmt, aber unter erheblichen freibeträgen. Beim 400 eurojob hast du insgesamt schonmal mindestens 160 euro mehr in der tasche, beim 800 euro job hast du nach abzug der aufwendungen für den job (fahrtkosten, evtl. bekleidung, berufshaftpflicht, kfz-versicherung, riesterrente etc.p.p.) einen freibetrag von 240 aufs bereinigte netto, wenn ich mich nicht verrechnet habe. Wer aber ca. 240 euro mehr in der Tasche monatlich als "nicht lohnend" empfindet, kann hartz IV nicht als sooo niedrig empfinden.
Im übrigen... Neben dem allg. mindestlohn von 8,50 gibts zahlreiche Helferbranchen, wo der mindestlohn höher liegt. Und einige nehmen alles, was nicht bei 3 auf den bäumen ist und morgens gerade und pünktlich auf der mathe steht. Sicherlich nicht die premiumperspektive, aber ein anfang. Wem das nicht möglich ist, der hat (auch wieder ohne wertung, man muss das ja echt immer dazuschreiben) Probleme, die nicht originär an hartz IV und nicht zwingend am arbeitsmarkt liegen.


Zu deinem Link: ich sehe jetzt gerade nicht, wo mir dad widerspricht. Das besagt doch gerade das die beiden personen zusammen knappe 1550 euro verdienen (wenn ich mich im überschlag nicht verrechnet habe), aber nur rund 950 angerechnet wird, was bedeutet, sie haben ca. 600 euro mehr zur verfügung, als wenn sie nicht arbeiten gehen. Das ist kein pappenstil und nicht "nichts". Natürlich sind die regelungen komplizierter, aber wie kommst du auf das schmale brett, dass die jobcenter nicht zu anrechnungsregeln beraten und informieren? Sicherlich könnte das intensiver sein, aber 1. kann jemand auch fragen, wenn er höheren beratungsbedarf hat und diese fragen werden schon in den telefoncentern beantwortet, es steht in dem merkblatt, was jeder bekommt inklusive beispiel und das nicht auf seite 735... Man müsste es aber halt auch lesen... Und es gibt streckenweise sogar explizit infoveranstaltungen. Und es wird teilweise im beratungsgespräch erläutert. Dass etliche tricky sachen im leistungsrecht versteckt sind, bestreite ich gar nicht, wobei das auch mit dem anspruch zu tun hat, dass das algII auf jede persönliche situation einen individuell passenden zahlbetrag finden soll. Viele kleine details bedingen undurchsichtige regeln. Jeder erwachsene 400 euro, jedes kind 200 euro... Aus die maus... Würde zu geringem verwaltubgsaufwand und überwiegend korrekten bescheiden führen. Dass das trotzdem ungünstig ist, darüber sind wir uns hoffentlich einig.

Zu den kindern und der anrechnung von kindergeld... Das ist ne sozialpolitische entscheidung. Wenn mans kindergeld nicht anrechnet, dann hast du in schöner regelmäßigkeit die berichte, wieviel sich "assi"-familien "erpoppen". das will die gesellschaft eindeutig nicht.

Beim Rest stimme ich dir nicht zu. Deutschland hat für mich einen guten sozialstaat. Mit justierungsbedarf, ohne frage.

Nur dass es noch besser geht, ist kein grund, so zu tun, als ob hier hartziv-empfänger durch die breite bank schlechter leben, als sozial schwache in beispielsweise den südlichen und östlichen europäischen ländern. Zumal es auch einen sozialstaat neben hartzIV gibt.

Mit einem robusten arbeitsmarkt bei flächendeckend guten löhnen würde sich auch das problem sozialhilfe/hartzIV, wie auch immer das dann heißt, nicht erledigen. Denn eine durchaus nennenswerte menge hat probleme, die erstmal nichts mit dem arbeitsmarkt zu tun haben.

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Re: Das Ende des Low-Carb-Fads?

Beitragvon Gästin » Di 19. Apr 2016, 12:54

Naja, ist schon mal ein Statement.

Ich hab jetz den Beitrag verloren und keine Lust neu zu tippen. Hatte jetzt auch nichts besonderes, nur bischen Ergänzt. Im Grunde scheinen mir die Positionen geklärt :cool:

Zurück zum Topic:

Kohlehydratteduktion vs. Fettreduktion

Beides Doof :P

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Re: Das Ende des Low-Carb-Fads?

Beitragvon Plumbum » Di 19. Apr 2016, 13:47

Essen ohne anzusetzen wäre gut. :D oups, braucht man ja sport dazu.... Irgendwas ist immer :D

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Re: Das Ende des Low-Carb-Fads?

Beitragvon Saugstauber » Di 19. Apr 2016, 19:17

Gästin hat geschrieben:30 Euro für Kommunikation möchte ich sehen. Wüßte keinen Anbieter der heute für 30 Euro Telefon, Mobil und Internet für diesen Preis bereit stellt. Im Gegenteil kommt da selbst bei günstigem Verhalten mehr zusammen. Ich zahle irgendwas jenseits 40 Euro und bin schon ein Pfennigfuchser!


Ich bezahle für 19,99 für Internet + Telefon und 10€ pro Monat für Handy (600 Einheiten für Anrufe, SMS und MB .. und Whatsapp geht sogar immer, auch wenn man nix bezahlt).
Also gehen tut es schon ;)

Und für Strom bezahle ich 30€ im Monat (letzte Jahr sogar nur 28€ pro Monat). Und ich benutze den PC sehr viel und koche auch fast jeden Tag (aber benutze nur zwei Herdplatten).

Nein, ich beziehe kein Hartz-IV und vielleicht bin ich auch ein Einzelfall, aber die werden hier ja auch gerne rangezogen.
Andreas Bär Läsker (XOND) Ich hab so die Faxen dick von diesem Obdachlosenthema. Ich gönne niemandem einen Gänsebraten.....keinem Millionär, keinem Obdachlosen [...] Und damit ist das Thema für mich jetzt ein für allemal vom Tisch.... (25.02.2017)

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Re: Das Ende des Low-Carb-Fads?

Beitragvon Gästin » Di 19. Apr 2016, 22:46

Naja viel PC ist relativ, kommt auf das Gerät an. Bei mir sinds grad etwa 100 Watt inklusive Monitor. Das macht im Jahr ~125 kWh bei 4h/6d Woche. Das ist schon ordentliche Nutzung. Solange kein Dauerzocker mit Graka sind die Geräte nicht tragisch.

Aber im Ernst. Der Durchschnittliche Stromverbrauch ist ohne Grundgebühren und son Zeug, reiner Verbrauch um 50 Euro, 2256kWh. Wer nur knapp 30 Euro zahlt liegt mit ca. 1200-1300 kWh deutlich darunter.

Hinzu kommt: Wer arbeitet, ist wenig bis kaum zuhause. Das ist beim Hartz4 Empfänger anders. Die hocken ja zwangsweise zuhause. Da brennt das licht deutlich länger und die Glotze läuft rund um die Uhr mitsamt PC und Co.

Das Problem ist auch wie ich sagte meistens dann erst Zusatzkosten durch dezentrales Warmwasser, das auch nur pauschal abgegolten wird und einen Mehrbedarf hier nachzuweisen ist kaum möglich weil das über einen eigenen geeichten Zähler laufen muss und den hat nun nicht jeder Haushalt und ist wohl auch nicht so einfach zu bekommen. Der Gesetzgeber hatte jedoch festgelegt das abweichender Bedarf von der Pauschale gezahlt werden muss.

Man sollte registrieren das einiges bei Hartz4 vom Bund finanziert wird, anderes von den Gemeinden. Der Bund macht Druck weil er Mittel kürzt, die Gemeinden müssen aber berappen und haben Probleme überhaupt liquide zu bleiben. Am Ende wird mit enormem Druck bei Leistungsberechtigten gespart. Da findet teilweise ein regelrechtes Sanktionsrunning statt, um Betroffenen möglichst Gelder vorzuenthalten. Wann immer sparen möglich ist werden Gesetze und Regelungen auch so eng ausgelegt. Solange man gute Fallmanager und eine solide arbeitende Arge hat, ist es zumindest koscher. Aber wenn das nicht so ist, dann wird den Betroffenen mit vielen Methoden Geld vorenthalten und regelmäßig versucht über Sanktionen die Leistungsberechtigten weich zu klopfen das sie sich aus dem Bezug verabschieden oder einfach nur Gesetze werden falsch angewandt und willkürlich zu Gunsten der Gemeindekasse ausgelegt.
Das Beispiel des systematischen Heizkostenbetrugs hatte ich schon erzählt, davon sind hunderttausende Betroffen. Ein anderer Bereich ist durch unsinnnige und unrealistisch niedrige nicht selten gefakte Mietspiegel, die den maximalen Mietregelsatz so niedrig legen, das viele Leistungsberechtigte selbst vom Lebensunterhalt zur Miete beischießen müssen.
Hinzu kommt Vorenthalten von Heizkostenzahlung und Nebenkosten oder die unzulässigen Kürzungen bei der Miete im Mietsenkungsverfahren. Da ist das Amt eigentlich verpflichtet weiter zu zahlen, macht es aber meistens nicht und kündigt mit dem einleitenden Schrieb direkt die Kürzungen der zu hohen Miete an. Dabei muss das Amt mindestens 6 Monate weiter zahlen und darüber hinaus auch weiterhin, wenn nachweislich keine Wohnung zu gefordeten Konditionen zu bekommen war. http://www.gegen-hartz.de/nachrichtenue ... 830b04.php

Wer naiv glaubt das mit Hartz4 einfach alles rund läuft, der hat sich das Elend noch nie wirklich angeschaut. Die meisten glauben das das Recht existiert und der Staat sich i.d.R. daran hält, aber das ist genau der Knackpunkt bei Hartz4. Da ist alles ausgehölt und der Hartz4 Leistungsberechtigte ist definitv in weiten Teilen entrechtet - teilweise buchstäblich und teilweise durch die Kraft des Faktischen weil der Rechtsweg oder die Durchsetzung von Rechten bei dem Regelchaos von Hartz4 nicht einfach ist und die Jobcenter vielfach bei Rechtskonflikten besonders im Kontext von unzulässigen Sanktionen Kürzungen oder Auslegungen den längeren Atem haben. Trotzdem ist eine Klageflut da und die meisten Verfahren werden zu Gunsten der Leistungsberechtigten Kläger abgehandelt, nicht zu schweigen von den Verfahren, die vom Amt bei Aussichtslosigkeit dann doch eben schnell noch abgewickelt werden und die dann in der Statistik nicht direkt auftauchen.

Ach mist schon wieder OT :)

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Re: Das Ende des Low-Carb-Fads?

Beitragvon Plumbum » Mi 20. Apr 2016, 05:54

Saugstauber hat geschrieben:
Gästin hat geschrieben:30 Euro für Kommunikation möchte ich sehen. Wüßte keinen Anbieter der heute für 30 Euro Telefon, Mobil und Internet für diesen Preis bereit stellt. Im Gegenteil kommt da selbst bei günstigem Verhalten mehr zusammen. Ich zahle irgendwas jenseits 40 Euro und bin schon ein Pfennigfuchser!


Ich bezahle für 19,99 für Internet + Telefon und 10€ pro Monat für Handy (600 Einheiten für Anrufe, SMS und MB .. und Whatsapp geht sogar immer, auch wenn man nix bezahlt).
Also gehen tut es schon ;)

Und für Strom bezahle ich 30€ im Monat (letzte Jahr sogar nur 28€ pro Monat). Und ich benutze den PC sehr viel und koche auch fast jeden Tag (aber benutze nur zwei Herdplatten).

Nein, ich beziehe kein Hartz-IV und vielleicht bin ich auch ein Einzelfall, aber die werden hier ja auch gerne rangezogen.


Neben den erläuterungen 1 post unter dir kommt aber auch zum tragen, dass der satz nicht nur die energiekosten umfasst, sondern davon auch die instandhaltung der wohnung zu bezahlen ist. Ist man mal "nur vorrübergehend" in hartz IV ist das vielleicht nicht so tragisch, aber irgendwann muss renoviert werden, da platzt mal ne leiste ab, da lockert sich der türknauf etc. das ist alles nicht sache des vermieters. Dann wirds echt eng.

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Re: Das Ende des Low-Carb-Fads?

Beitragvon Plumbum » Mi 20. Apr 2016, 06:04

@gästin ein echtes stattfindenes sanktionsrunning würd ich in der praxis aber nicht bestätigen... Da reicht ein blick in die anzahl der sanktionen bundesweit im verhältnis zur erwachsenen leistungsbezieherzahl, wobei das eine ein aggregierter absoluter wert ist und das andere ein durchschnittswert, bei dem es übers jahr zu deutlichen fluktuationen kommt. Wenn man dann noch nimmt, dass viele sanktionen dieselben leute betreffen, ist das bild nochmal anders. Abgesehen davon, dass ich auch nicht denke, dass alle sanktionen immer sachgerecht entschieden werden und dass ich die sanktionsquote für ungeeignet für eine zielvereinbarung halte, sollte man trotzdem ALLES zu solchen zielvereinbarungen wissen... Wie die quoten definiert werden, welche daten ihnen zugrunde liegen, welches ziel verfolgt wird, wie realistisch sie erreicht werden können. Einfach nur "da gibts ne quote... Buhuuu... Es wird systematisch im großen stil ohne sachliche begründung rechtswidrige sanktionen verhängt" greift echt zu kurz.

Gästin

Re: Das Ende des Low-Carb-Fads?

Beitragvon Gästin » Mi 20. Apr 2016, 12:12

Nun wird zumindest ja deutlich was ich im Ausgangsposting meinte. Armut: Damit meinte ich in der Regel auch dauerhafte Leistungsbezieher oder am wirtschaftlichen Rand davon krebsende Niedriglöhner und Pseudomittelständler (Gab irgendwo ne amtliche Statistik, die behauptete doch tatsächlich das man mit 855 Euro Einkommensingle zum Mittelstand zählt, Median irgendwo bei 16k per Anno :rofl: ), insofern sind die Einwürfe von Plumbum dazu ja richtig. Der Druck bei Hartz4 ist ja auch ähnlich wie Abstiegsangst von denen, die noch einen Job haben im Niedriglohnsektor und sich gerad so über Hartz4 aufhalten. Da ist die Abstiegsangst dann ähnlich Existenzbedrohend: Nämlich die Angst vor Hartz4, zu den Ausgestossenen zu gehören im Fall der Arbeitslosigkeit. Genau diese Leute sollen ja Angst vor Hartz4 haben, die sollten ja mit der Gewalt des Systems in den Niedriglohnbereich gezwungen werden bzw. jeden Job annehmen und die Betroffenen sollten noch darunter liegend arbeiten denn der Staat hatte sich von der Wirtschaft wieder mal beschwatzen lassen und den Niedriglohnsektor geschaffen mit Hartz4.

Das ordnet sich alles gemeinsam unter Armut ein und das gerade Familien heute stark davon betroffen sind ist auch klar, bei den lächerlichen Einkommen heutzutage. Bei Hartz4 ist neben der wirtschaftlichen Unterversorgung eben häufig Streß mit dem Amt hinzu und diese spezielle existenzielle Angst von Heute auf Morgen ohne Mittel dazustehen. Denn Sanktionen bedeuten nicht einfach nur das einem Geld weggenommen wird, das bedeutet das man seine Rechnungen nicht mehr zahlen kann, das man nicht essen kaufen kann, das man spätestens bei 60% Probleme bekommt seine Miete zu zahlen. Auch Miete wird mitgestrichen, das wissen viele nicht, die denken immer noch das nur bischen das Taschengeld gestrichen wird. Die Fälle, die bis zur Obdachlosigkeit sanktioniert wurden, sind da, das kann man nicht leugnen. Wer sich da nicht mit Rechtsmitteln auskennt ist gekniffen.

Sanktionen sind mehr als Zuckerbrot und Peitsche, Sanktionen sind eine Androhung von Hunger und Obdachlosigkeit. Das ist der wesentliche Unterschied zur früheren Sozialhilfe und wer meint das hunderttausendfach diese Gewaltanwendung nicht weiter Relevant sei, weil die Mehrheit ohne diese Sanktionen klar kommt, der hat die Not noch nicht verstanden, die das auslöst bei Betroffenen und das System dahinter, die Gewaltandrohung gegen die Bürger und das systematische Herabwürdigen und Herabsetzen der Menschen.

http://www.gegen-hartz.de/nachrichtenue ... 016137.php

Zahlen der BA lügen doch nicht? ;) 9 Prozent der Leistungsberechtigten Sanktioniert ist nicht viel im Vergleich? Das wird dann schon länger so sein.

Wieviele dürften davon ungerechtfertigt gewesen sein, wenn schon 50-80 % der Bescheide falsch sind? Mehr als 50% der Fälle vor Gericht für die Leistungsberechtigten entschieden werden? (+ das was nicht in der Statistik auftaucht weil vorher schnell durch Zahlung durch das Amt vor einem Urteil beendet).

Es ist immer so leicht gesagt: Meldeversäumnisse = Sanktion. Da reichts aber wenn der Bus nicht kommt und man zu spät ist oder die Termineinladung einen Tag vor dem Termin kommt, man aber mal ausnahmsweise nicht jeden Tag am Kasten war. Es wurden schon kranke Menschen sanktioniert, weil sie nicht kommen konnten und ihre Belege vom Doc später vorlegten, die dann nicht anerkannt wurden. Hat man einen fairen Sachbearbeitet, kein Ding. Steht der aber selbst unter Druck oder bekommt bei Sanktionen Geld, sieht das schon anders aus.

Is halt doch nicht so einfach, näch?

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Re: Das Ende des Low-Carb-Fads?

Beitragvon Plumbum » Mi 20. Apr 2016, 12:37

Ähem... Was die sanktionen betrifft... Nicht jede sanktion wird zurückgenommen, weil der sachbearbeiter falsch entschieden hat. Sondern auch und MEINER erfahrung nach, weil die leute die schreiben oder persönlichen nachfragen, wieso und weshalb nicht ernstnehmen, nicht antworten usw. Dann wird nach aktenlage entschieden. Und im wiederspruch ist dann... Kuck mal schau... Ne begründung da. Die ... Wenn früher bekannt.... Gar nicht zur sanktion geführt hätte.

Und mal ehrlich.... Wenn es keine sanktionen gibt (auch wenn man sich über die aktuelle art der sanktionen in höhe und form streiten kann), wie willst du dann diejenigen gelinde gesagt, in den Poppes treten, die ohne eine vernünftige aktuelle strafe einfach ihr leben schleifen lassen? Bei den ganzen sanktionsablehnern hätte ich dazu mal ein vernünftiges konzept, das nicht vom idealfall des verständigen, erfahrenen und motivierten menschen ausgeht, sondern von dem durchaus nennenswert vorhandenen problemfällen im algII?

Mir wäre übrigens unbekannt, dass sachbearbeiter für erteilte sanktionen geld bekommen... Das ist so eine gern kolportierte behauptung, wo mir aber der beleg fehlt... Und von dem seltsamerweise die mir bekannten leute noch nie geldmäßig profitiert haben.

Und nein... 9% ist nicht viel... Das bedeutet nämlich, dass 91% nicht sanktioniert wurden, was wiederum gegen die annahme spricht, dass die sachbearbeiter dazu gezwungen werden flächendeckend alles mögliche zu sanktionieren. Deswegen kann man die 9% als zuviel halten, kein ding. Und die sanktionen in der höhe ansich für falsch strukturiert. Aber diese netten verschwörungstheorien sind halt ebenfalls quatsch. Und es ist noch kein zwang zu sanktionen, wenn in der vergangenheit durchaus darauf geachtet wurde, dass bestehende gesetze auch im rahmen des beurteilungsspielraums betrachtet werden... Und nicht einfach sanktionen nicht verhängt wurden, weil man gerade zuviel arbeitsbelastung hat oder mit der begründung, dass der arbeitslose sonst fleißig war. Das ist rechtlich eben nicht zulässig und wenn da nachgehakt wird, dass die exekutive auch ihre arbeit, ist das durchaus richtig. Man kann sowas nicht nur bei den "angenehmeren" details im verwaltungshandeln fordern.

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Re: Das Ende des Low-Carb-Fads?

Beitragvon Plumbum » Mi 20. Apr 2016, 12:49

P.S. Den niedriglohnsektor gabs übrigens auch schon massiv zu zeiten der sozialhilfe, aber das sozialamt war bei der arbeitssuche halt nicht so stringent hinterher und hat sich mehr auf die auszahlung beschränkt.

Und ich finde tatsächlich auch, dass, wenn jemand arbeitsfähig ohne massive einschränkungen ist (!!), dass derjenige, wenn er von algII und damit der gesellschaft unterstützt wird, alles zu tun hat, um sich erstmal halbwegs wieder selbst zu finanzieren... Und wenns erstmal ne tätigkeit als küchenhilfe ist. Sorry, aber mit welchem recht soll derjenige sich denn die wahl der rosinen vorbehalten, während arbeitnehmer nicht die wahl haben, ob sie steuern zahlen müssen. Zumal man aufgrund der anrechenregeln, die ich oben erläutert habe, ja tatsächlich effektiv ne ganze menge mehr geld monatlich zur verfügung hat. Und natürlich verhindert eine arbeit im niedeiglohnbereich keine altersarmut, aber die arbeitslosigkeit doch noch viel weniger. Und wer im niedrigbereich arbeitet, hat mehr chancen, gehaltsmäßig höher zu kommen, als der, der die arbeit erst gar nicht anpackt. Was übrigens seit einführung des mindestlohns auch zu beobachten ist, da gerade in dem segment die einkommen auf breiter front gestiegen sind und sogar tätigkeiten, die vorher bei 6-7 euro lagen, plötzlich zwischen 9 und 10 liegen. Was wiederum auf die löhne im fachkraftbereich druck ausgeübt hat, da können auch etliche mehr verlangen.

Gästin

Re: Das Ende des Low-Carb-Fads?

Beitragvon Gästin » Mi 20. Apr 2016, 15:50

Neiddebatte, mehr ist das nicht. "Die Hartzies dürfen was wir Arbeitsame fleißige nicht dürfen? Faul rumlungern? Die haben was was wir nicht haben? Niemals! Das es eh angeblich nicht genug Arbeit für alle gibt, das ist kein Argument!" :gaga:

Muss jeder selbst entscheiden welche Meinungen ihm behagen.


Streßfaktoren, Existenzängste sind nicht förderlich für die Gesundheitsvorsorge insbesondere wenn diese Eigenverantwortlich gefordert wird - was eh im Kern bedeutet das die Schwachen, die das nicht können einfach liegen bleiben am Rand. Das weiß man vorher.

Einzelne Nahrungsmittelbestandteile verantwortlich machen ist jedenfalls Dünnpfiff. Das läuft auf dem Niveau der Veganer: Fleisch ist das Übel der Menschheit! Kein Fleisch, keine Tiersklaven mehr und zack! Paradies und alles ist super!

Genau der Blödsinn, den solche Studien implizieren: Weniger Fett und alle Menschen werden schlank und rank. Die Weicheier müssen einfach mal das Fett streichen aus der Ernährung, verdammte Fresser auch! :rolleyes:

Einfach Unsinn. Abnehmen kann man mit beidem, weniger KH oder weniger Fett oder auch wenig Fleisch solange die Kalorienreduktion tatsächlich passt oder der Mensch sich ausreichend bewegt, so er es denn kann.


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